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Aber bitte mit Schlag-Sahne!

Von Ina Weber

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Ein wenig Selbstreflexion tut jedem Land, jedem Sender gut. Und so widmete ARD in seiner neuen Serienreihe "Fernsehlieblinge" die erste Folge Deutschland und seinen Schlagern. Dass die Geschichte dieser heutzutage doch sehr einschlägigen Musikrichtung so interessant sein kann, liegt nicht nur in der sehr gut gemachten Dokumentation von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister begründet, sondern auch in seiner Geschichte selbst. Denn der Schlager, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Volkslied ersetzte, hatte unterschiedliche Ausprägungen. Ausgehungert nach dem Krieg, sehnten sich die Deutschen nach mehr Leichtigkeit und ebneten damit den Boden der Lied-Inhalte. "Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein", sang die achtjährige Cornelia Froboess 1951 über den Wannsee. Nachdem dort eine Frau von einem amerikanischen Soldaten angeschossen wurde, wurde der Text in der DDR umgetextet: "Schließ die Badehose ein, lass das Baden lieber sein, denn der Ami schießt am Wannsee". Weiters hieß es in der DDR-Version: "und dann nischt wie raus ins Strandbad". Politisch wurde Schlagersänger Freddy Quinn, als er in den 60er Jahren das Lied "Wir" gegen die aufkommende Protestbewegung der Studenten schrieb: "Wer will nicht mit Gammlern verwechselt werden? Wir! Wer sorgt sich um den Frieden auf Erden? Wir!". Auch die zunehmende Emanzipation der Frau in den 70er Jahren fand Eingang in die Schlagermusik, etwa wenn Johanna von Koczian "Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein .. . sagt mein Mann" singt. Dem Schlager kann man in seiner Geschichte einen gewissen Realitätsbezug nicht absprechen. Diesen hat er heutzutage gänzlich verloren. Er ist zur Liebesschnulze verkommen.