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Aber bitte mit Sturm

Von Judith Belfkih

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Das kulturelle Postenkarussell dreht sich bis Jahresende um eine weitere Runde. Kulturminister Thomas Drozda hat die Direktion der Wiener Staatsoper ausgeschrieben. Die Bestellung für die nächste Amtsperiode ab September 2020 soll noch vor Jahresende erfolgen, die Bewerbungsfrist endet dementsprechend bereits in einem Monat, am 9.Dezember.

Dass der Minister auf eine Findungskommission verzichtet, deutet entweder darauf hin, dass er den amtierenden Staatsopernchef Dominique Meyer zu verlängern gedenkt - dieser hat eine neuerliche Bewerbung bereits angekündigt. Oder es lässt darauf schließen, dass Drozda bereits eine alternative Lösung im Kopf oder gar schon im Talon hat. Dass Drozda die Fachkompetenz für diese Entscheidung hat, ist unumstritten. Er kommt schließlich vom Musiktheater. Dass er bereit ist, sich nicht hinter einer Kommission zu verstecken und selbst Verantwortung zu übernehmen,
ist immerhin erfreulich.

Das Haus steht finanziell gut da, die Auslastung stimmt, der Hochkulturtanker tuckert in ruhigen Wassern dahin. Das könnte man auch über die künstlerische Linie des Hauses sagen. Durch mutige und wegweisende Produktionen ist das Haus in den vergangenen Jahren selten aufgefallen. Dass es eh gut läuft, sollte für die Wiener Staatsoper nicht die Messlatte sein. Der Puls der Zeit pulsiert woanders. Auch dass die Staatsoper seit dem Abgang von Franz Welser-Möst keinen Musikchef hat, ist keine Dauerlösung. Was dem Haus jedenfalls fehlt, ist eine visionäre Strahlkraft. Wenn eine solche Vision am Ring wieder im Zentrum steht, ist es egal, wie der Direktor heißt.