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Abgesang auf El Kaida verfrüht

Von Christiane Oelrich

Politik

Washington - Wie eine schallende Ohrfeige treffen die jüngsten blutigen Anschläge in Riad und Casablanca die amerikanischen Antiterrorexperten. "Hütet euch davor, im Antiterrorkampf einen frühen Sieg zu verkünden", ist die Botschaft der Terroristen, die in dieser Woche in Marokko und Saudi-Arabien mehr als 70 Menschen in den Tod rissen. Im Windschatten des Irak-Kriegs, so die Befürchtung, könnte das Terrornetzwerk El Kaida eine neue aggressive Angriffswelle organisiert haben.


Tatsächlich hatte sich nach zwei gewonnenen Kriegen in Afghanistan und im Irak und hunderten von Festnahmen weltweit in Washington eine gewisse Zufriedenheit über den Verlauf des Antiterrorkriegs breit gemacht. Die Hälfte der Terrorführungsriege sei getötet oder festgenommen, schätzt die US-Regierung. Die Terroristen seien auf der Flucht, Versuche zur Regruppierung würden von wachsamen Verbündeten immer wieder zerschlagen.

In der alljährlichen Terrorstudie stellte das Außenministerium noch Ende April fest, dass die Zahl der Terroranschläge weltweit im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit 1969 gesunken sei.

Inzwischen ist Ernüchterung eingetreten. Die "New York

Times" berichtet über jüngste Erkenntnisse, dass das Terrornetzwerk El Kaida neue Trainingslager in Ostafrika gebaut hat und wieder aktiv Mitglieder rekrutiert. Im Sudan sei mindestens ein neues Lager entdeckt worden. Sorge bereitet den US-Experten auch Kenia. Wegen höchster Gefahr von Terroranschlägen stoppte die britische Regierung vor wenigen Tagen alle Flüge zwischen Großbritannien und Kenia.

Die Bush-Regierung hat zwar immer an ihrer Überzeugung festgehalten, dass der Irak-Krieg bei Arabern in aller Welt schließlich als Befreiung von einem Tyrannen gefeiert werde. Doch schließen Terrorexperten hinter den Kulissen nicht aus, dass der amerikanische Feldzug den Terrorgruppen zahlreiche neue Mitglieder in die Arme getrieben haben könnte.

Dessen ungeachtet verweist die Regierung auf die unbestrittenen Erfolge im Antiterrorkampf, darunter die Festnahme zahlreicher Führungsfiguren.