Zum Hauptinhalt springen

Abgetanzt und ausgelaugt

Von Wolfgang Zaunbauer

Wirtschaft

Bawag: Elsner | pöbelt Richterin an. | Dritte Aussage des Ex-Treasury-Chefs. | Wien. Helmut Elsner machte seinem Rüpel-Image wieder einmal alle Ehre, als er am Mittwoch im Bawag-Prozess (Tag 71) Richterin Claudia Bandion-Ortner ärgstens anpöbelte. "Während Sie in den Seitenblicken abgetanzt haben, habe ich bis 68 gearbeitet. Ich bin geistig und körperlich ausgelaugt und erschöpft. Ich habe den Eindruck, Sie wollen mich verhöhnen", fauchte der Ex-Bawag-Boss die Richterin an. "Jetzt reichts", gab diese zurück, "gewöhnen Sie sich einen anderen Ton an, Sie sind hier vor Gericht." Als Elsner weiter maulte, drohte ihm Bandion-Ortner schließlich gar mit "Rausschmiss". Später entschuldigte sich Elsner kleinlaut und rechtfertigte sein Verhalten damit, dass er seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitze.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Entsponnen hatte sich der Disput an ein paar Fragen der Richterin "quer durch den Gemüsegarten". Etwa nach einem früheren Bawag-Mitarbeiter, der 2000 durch Manipulation und Limitenüberschreitung einen Schaden von 100 Millionen Euro verursacht hatte und in der Folge fristlos entlassen wurde. Nota bene: Zur selben Zeit verlor der Bawag-Vorstand 1,4 Milliarden Euro - und ließ sich die Bezüge erhöhen.

Kettenreaktion 1998

Bereits zum dritten Mal musste am Dienstag der frühere Treasury-Chef der Bawag, Thomas Hackl, in den Zeugenstand treten. Dabei wurde er vor allem zu den Unibond-Geschäften, dem letzten Versuch, die Karibik-Verluste wettzumachen, befragt. Hackl war vor seiner Zeit bei der Gewerkschaftsbank auch beim US-Broker Refco beschäftigt, dessen Pleite den Bawag-Skandal erst öffentlich machte. In jener Zeit - die Bawag erlitt ihre ersten Verluste - erlebte Hackl hautnah auch die große Finanzkrise von 1998 mit. Hackl: "Dagegen ist die heutige Subprime-Krise ein Blasenwasser". Damals habe es eine Kettenreaktion gegeben, ausgelöst durch ein Schuldenmoratorium in Russland, die Asienkrise und das Dilemma des US-Hedge Fonds Long Term Capital. Dadurch hätten viele Banken Geld verloren, so Hackl. Auch die schweizerische UBS, die in Beziehung zu Long Term stand. Was die UBS damals getan hätte, wollte Staatsanwalt Georg Krakow wissen - und bekam die Antwort, die er hören wollte: "Die Vorstände wurden entlassen."

Hackl, gegen den in der Bawag-Causa ein eigenes Ermittlungsverfahren läuft, ist für 21. März zum vierten Mal geladen.