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Abrechnung im Telekom-Krimi

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Anlegervertreter Wilhelm Rasinger fordert von der Telekom Austria die Eintreibung der "illegalen" Millionen-Boni | Ex-Vorstand Gernot Schieszler versucht sich als Kronzeuge.


Wien. In der Telekom-Affäre drohen den Beschuldigten hohe Strafen: Es geht um die mutmaßliche Erschleichung eines 9,2 Millionen Euro schweren Bonus durch Kursmanipulation im Zuge eines Aktienoptionsprogramms im Jahr 2004.

Laut Thomas Vecsey von der Staatsanwaltschaft Wien stehen die sieben Beschuldigten, die Ex-Telekom-Vorstände Heinz Sundt, Stefan Colombo, Boris Nemsic und Rudolf Fischer, der damalige Vorstandsassistent Gernot Schieszler, der Euro-Invest-Banker Johann Wanovits und der Telekom-Berater Peter Hochegger im Verdacht der Untreue bzw. der Beitragstäterschaft dazu. Die Strafdrohung beträgt bis zu zehn Jahre Haft. Dem Vernehmen nach werden aber die Untreue-Vorwürfe bestritten. Indes hat sich der frühere Telekom-Finanzvorstand Gernot Schieszler der Anklagebehörde als Kronzeuge angeboten.

Diversion statt Strafe

"Bei Schieszler ist die Kronzeugenregelung noch möglich", bestätigt Thomas Vecsey der "Wiener Zeitung". "Es gab Gespräche im Vorfeld." Das heißt: Schieszler muss vor den Hausdurchsuchungen Anfang Juli bereits bei der Staatsanwaltschaft ausgepackt haben. Der Status eines Kronzeugen wurde ihm aber noch nicht zu-erkannt. "Im Vorhinein kann man das nicht beurteilen, es erfolgt erst vor der Anklage mit Beendigung des Ermittlungsverfahrens", sagt Vecsey. "Es gibt im Gesetz gewisse Ausschlussbedingungen, wenn zum Beispiel die Informationen nicht gehalten haben, oder weil sie nur zur Verschleierung der eigenen Dinge dienten." Nachsatz: "Das ist keine sichere Sache." Als Belohnung winkt einem Kronzeugen statt einer saftigen Strafe eine Diversion, unter anderem in Form einer Geldstrafe, der Erbringung einer gemeinnützigen Leistung oder einer bedingten Strafe mit zweijähriger Probezeit.
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Anstand gefragt

Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger, dem dieses manipulationsanfällige Aktienrückkaufprogramm schon damals nicht schmeckte, sieht nun Handlungsbedarf bei der Telekom Austria und ihren aktiven Managern.

"Die Telekom Austria muss jetzt diese Gelder zurückfordern, einfach wird das aber nicht", sagt Rasinger zur "Wiener Zeitung". "Beim Vorstand und den Führungskräften werden sie es einfordern können, aber bei Leuten, die es gutgläubig entgegengenommen haben, sehe ich wenig Chancen, außer sie haben einen entsprechenden Revers unterschrieben, dass sie rückzahlungspflichtig sind, sollte sich nachträglich etwas herausstellen." Nachsatz: "Ich würde allen empfehlen, die jetzt noch im Management tätig sind, sich davon zu distanzieren, und aus Gründen des Anstandes dieses Geld zurückzuzahlen."

Indes hat Telekom-Vorstandschef Hannes Ametsreiter mit dem Aufsichtsrat bereits die freiwillige Rückzahlung seines Bonus (92.000 Euro) nach einer gerichtlichen Verifizierung der mutmaßlichen Malversationen vereinbart.

FMA kurzsichtig

Dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) 2004 den Fall Telekom-Aktienoptionsprogramm im Zusammenhang mit der Euro Invest Bank zwar untersucht hat, aber keinen Konnex zum Management der Telekom gefunden hat, schreibt Rasinger dem Gesetzgeber zu.

"Aus meiner Sicht ist der Hauptvorwurf dem Gesetzgeber zu machen, der die FMA damals nicht entsprechend ausgestattet hat", sagt Rasinger. "Es hat gestunken, aber die Schmauchspur hat gefehlt." Die Zusammenarbeit der FMA mit der Staatsanwaltschaft habe damals nicht funktioniert. Trotz vieler Verdachtsäußerungen von Experten hatte die FMA keine Strafanzeige erstattet.