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Abruptes Ende einer schillernden Politkarriere

Von WZ Online

Politik

Klagenfurt. Mit dem Kärntner Landeshauptmann und Chef des von ihm gegründeten Bündnis Zukunft Österreich, Jörg Haider, ist eine der schillerndsten Politkarrieren der Zweiten Republik abrupt zu Ende gegangen. Haider wurde am 26. Jänner 1950 im oberösterreichischen Bad Goisern geboren. Seine Eltern waren überzeugte Nationalsozialisten, sein Vater Robert Haider war vor dem "Anschluss" illegales Mitglied der NSDAP.


Haider besuchte das Gymnasium in Bad Ischl, nach der Matura studierte er Jus an der Universität Wien. Nach dem Abschluss war er bis 1976 als Universitätsassistent am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Wien tätig.

Mit 20 Jahren wandte er sich der Politik zu, 1970 wurde er RFJ-Bundesobmann, 1976 übersiedelte er nach Kärnten. 1979 zog er für die FPÖ in den Nationalrat ein. 1983 übernahm er die Leitung der Kärntner Freiheitlichen, drei Jahre später stürzte er den damaligen Bundesparteiobmann Norbert Steger beim Parteitag in Innsbruck. Daraufhin kündigte SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky die bestehende rot-blaue Koalition auf. Haider sollte insgesamt 14 Jahre FPÖ-Bundesparteiobmann bleiben.

1989 gelang es Haider, bei der Landtagswahl in Kärnten die absolute Mehrheit der SPÖ zu brechen. Er wurde mit Hilfe der ÖVP zum Landeshauptmann gewählt. Zwei Jahre später stolperte er über einen Ausspruch im Landtag, als er die "ordentliche Beschäftigungspolitik" während der Nazi-Diktatur lobte. SPÖ und ÖVP wählten ihn daraufhin aus dem Amt.

1999 wurde die FPÖ bei der Landtagswahl in Kärnten stimmenstärkste Partei und Haider - erneut mit Hilfe der ÖVP - wieder Landeshauptmann. Bei der Nationalratswahl 1999 gelang ihm mit der FPÖ ein historischer Erfolg, die Freiheitlichen verdrängten mit 26,9 Prozent die ÖVP von Platz zwei. Mit deren Obmann Wolfgang Schüssel zimmerte er gemeinsam eine schwarz-blaue Koalition, der er selbst jedoch nicht angehörte. Vizekanzlerin für die FPÖ wurde Susanne Riess-Passer.

Als diese sich gemeinsam mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dem damaligen Klubobmann Peter Westenthaler immer mehr von Haider abnabelte, kam es zum offenen Konflikt. Dem Wirbel in Knittelfeld 2002 folgte der Bruch mit Riess-Passer, Westenthaler und Grasser. Die folgende Nationalratswahl ging verloren, die FPÖ stürzte auf 10,0 Prozent ab. In Kärnten besaß Haider aber genügend politisches Kapital, um 2004 die Landtagswahl erneut mit 42 Prozent zu gewinnen und den Landeshauptmannsessel zu verteidigen.

Im April 2005 gründete Haider nach ständigen Querelen mit der Wiener FPÖ rund um Heinz-Christian Strache schließlich das BZÖ. Die neue Partei konnte vorerst nur in Kärnten reüssieren, bei der Nationalratswahl 2006 schafften die Orangen mit dem zurückgekehrten Westenthaler als Parteichef und Spitzenkandidat hauchdünn, mit nur 4,11 Prozent, den Sprung ins Parlament - nur wegen dem guten Abschneiden im südlichsten Bundesland. Bei der Wahl im September 2008 entschloss sich Haider schließlich, selbst anzutreten - mit Erfolg: Die Wähler bescherten dem BZÖ 10,70 Prozent und den vierten Rang, noch vor den Grünen.

Haider wollte vor allem eine Neuauflage der rot-schwarzen Koalition verhindern, zuletzt versuchte er deshalb auch, den Bruch mit der FPÖ zu kitten und eine Annäherung mit Strache zuwege zu bringen. Ob es ihm gelungen wäre, bleibt nun unbeantwortet. Wie es mit dem BZÖ ohne Haider weitergeht, steht derzeit in den Sternen. Sein politisches Ziel formulierte er einmal damit, dass er die politische Wirklichkeit Österreichs verändern wolle. Das ist ihm zweifelsohne gelungen.