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Abschied vom Bandsalat

Von Christina Böck

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Es ist meistens der traurigste Anblick auf einem Flohmarkt. Also abgesehen vielleicht von Bleikristall-Glassets. Wenn sich die Videokassetten vor dem Stand stapeln, dann kann man als Verkäufer nur auf wirklich nerdige Feinspitze spekulieren. Es ist ja nicht so, dass nicht jeder selbst noch einen Haufen solcher Datenträger daheim herumkugeln hätte. Völlig nutzlos natürlich. Weil einen alten Videorekorder hat man vielleicht noch, allein: Funktionstüchtig dürfte er in den seltensten Fällen noch sein.

Nun hat die letzte Firma, die noch VHS-Rekorder hergestellt hat, das Handtuch geworfen. Funai Electric in Japan hielt nach dem Rückzug von Panasonic 2012 als einziger das Fähnchen der Aufzeichnungsnostalgie hoch. Nach eigenen Angaben hatte Funai im Vorjahr immerhin noch 750.000 Rekorder hergestellt. Anfang des Jahrtausends - das ist übrigens auch nur 16 Jahre her - waren es noch 15 Millionen Stück.

Es kann also schnell gehen, wenn ein Medium das andere ablöst. Ein ähnliches Schicksal droht der Musik-CD, die zunehmend von digitalen Streams ersetzt wird. Eine Studie der österreichischen Wirtschaftsuni will nun herausgefunden haben, dass das Online-Streaming dem Musikmarkt doch nicht so stark schadet, wie gemeinhin angenommen wird. Die Einnahmen durch Bezahlabos beim Streaming seien demnach höher als die Verluste bei CD- und Download-Verkäufen. Das ist aber vor allem ein Gewinn für die Dienste à la Spotify, den sich die Künstler selbst - abgesehen von sporadischen Cent-Beträgen - aufzeichnen können.

Allerdings nicht mehr mit einem VHS-Rekorder.