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Abschied von Anke

Von Gerald Schmickl

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Ein wenig Trennungsschmerz kam schon auf, als sich Anke Engelke diese Woche von ihrer SAT.1-Late-Night-Show verabschieden musste. Weniger ihr selbst als - bis zum Schluss - satirisch überforderter Moderatorin galt die Wehmut als vielmehr ihrer mimischen Vervielfältigung in den "Engelkes", diesen sechs, allesamt von Anke dargestellten Frauen, die zu allerlei Themen ihre sozial prototypischen Statements abgaben. Darin zeigte sich Engelkes wahres Talent als satirische Schauspielerin. Sie braucht - wie man aus der Sendung "Ladykracher" weiß - mehrere Rollen, um ihr Potenzial auszuschöpfen, deswegen war sie als Gastgeberin der Spätabendsendung wohl gar nicht über-, sondern eher unterfordert. Vielleicht schnitt sie deshalb auch so viele Grimassen, damit wenigstens solcherart ein wenig Abwechslung in ihr Gesicht kam.

Ihr frühzeitiger Rausschmiss verschaffte Engelke in den letzten Wochen zwar ein paar witzige Sager (wie "Unter SAT.1-Führung hätte es die DDR nur fünf Monate gegeben!") und eine gewisse Lockerheit, trotzdem musste sie unter der Vorgabe, in Harald Schmidts Fußstapfen zu treten (und vor allem in dessen fast unveränderte Studiodekoration hinein!), fast zwangsläufig scheitern.

Vielleicht wäre ein Jahr Pause und eine völlig anders geartete, besser für Engelkes Fähigkeiten adaptierte Show die Lösung gewesen. Vermutlich wären dann gleich die "Engelkes" als abendfüllendes Programm herausgekommen.