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Absolut ist relativ

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft
Barbara Ottawa ist freie Journalistin und berichtet vorwiegend über Investitionen und Pensionskassen.

In Zeiten fallender Märkte wenden sich zahlreiche Anleger an sogenannte Absolute- Return-Fonds. | Diese sind darauf ausgelegt, zu jeder Zeit Gewinne zu erzielen.


Alles ist relativ, und dennoch gibt es Vermögensverwalter, die es sich zum Ziel gesetzt haben, absolute Gewinne zu erbringen - mit sogenannten Absolute-Return-Strategien, auch Total Return genannt.

Fonds, die diese Bezeichnung im Namen tragen, sind darauf ausgelegt, in jeder Marktlage positive Erträge zu erwirtschaften. Zumindest war das bis jetzt so. Die meisten anderen Fonds berechnen ihre Wertentwicklung relativ zu einem Index, der im Fall eines Aktienfonds etwa die Entwicklung gewisser Aktien nachzeichnet. In Zeiten fallender Märkte kann es sein, dass ein Fonds zwar relativ zu seiner Benchmark (engl.: Referenzgröße) besser abgeschnitten hat, aber dennoch Verluste macht.

Die Idee hinter Absolute Return ist, durch Einsatz unterschiedlicher Anlagekategorien und Investitionsstrategien auch negative Marktentwicklungen zu nutzen. Einige der Fonds investieren in Anleihen, andere in Aktien, wieder andere haben ein gemischtes Portfolio mit anderen Anlageklassen.

Um negative Marktentwicklungen auszunutzen, setzen diese Fonds, wenn sie in Aktien investieren, auf Leerverkäufe. Dabei leiht sich der Vermögensverwalter eine Aktie von ihrem Besitzer, setzt darauf, dass die Märkte fallen und die Aktie damit billiger wird. Wenn das eintritt, profitiert der Vermögensverwalter davon, dass er die Aktie teurer verkauft hat als er sie später wieder zurückkauft. Der Besitzer erhält eine Leihgebühr. Diese Strategie wird auch von vielen Hedgefonds genutzt, weshalb manche Absolute-Return-Fonds auch als Hedgefonds bezeichnet werden.

Viele Absolute-Return-Fonds setzen Derivate ein, das sind Finanzinstrumente, deren Preis sich von zugrunde liegenden Wertpapieren oder Indices ableitet - daher der Name. So kann ein Vermögensverwalter etwa mit einer Gegenpartei einen Vertrag eingehen, eine Anleihe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher fixierten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Wenn er den Markt richtig einschätzt, kann er dabei profitieren.

Durch den Einsatz dieser Strategien und Derivate versuchen Absolute-Return-Fonds sich anders als der Markt zu entwickeln und sogenannte unkorrelierte Erträge zu erzielen. Damit bietet die Beimischung von Absolute-Return-Fonds in ein Portfolio theoretisch die Möglichkeit, Risiken zu streuen und mehr Diversifikation zu erlangen.

Allerdings haben laut Analysten bisher nur die wenigsten der großen Absolute-Return-Fonds über die letzten drei Jahre ihre selbst gesetzten Renditeziele erreicht, die meist mit dem Geldmarktzins plus ein bis vier Prozent festgelegt werden. Einige wenige Fonds mussten sogar in den letzten zwölf Monaten rote Zahlen schreiben, die meisten schafften es, zumindest knapp positiv zu bleiben.

Kritiker zweifeln daher an der Krisensicherheit von Absolute-Return-Strategien. Mittelfristig gesehen, erwirtschafteten viele Absolute-Return-Fonds über die letzten drei bis vier Jahre zusammengerechnet Erträge von rund 10 Prozent.

Langfristige Zahlen gibt es für diese Anlagestrategie noch kaum, da die Produkte erst vor wenigen Jahren begonnen haben zu boomen.

Theoretisch gibt es Absolute-Return-Fonds schon seit den 1950ern, aber der Einsatz von Leerverkäufen und Derivaten machte die Produkte lange Zeit zu unsicher für viele Privatkunden. Erst mit der Verabschiedung der UCITS Direktiven der EU, die unter anderem Leerverkäufe und den Einsatz von Derivaten regeln, konnten auch Absolute-Return-Fonds sich unter dieser Richtlinie zertifizieren lassen und sich bestimmten Richtlinien unterwerfen.

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