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Absolute Herrscher und private Zensur

Von Judith Belfkih

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Im meiner Badewanne bin ich Kapitän. Ob es stürmt oder die Sonne scheint - einzig und alleine meine Entscheidung. Dachte sich offenbar auch Til Schweiger. Und das bereits mehrmals. Denn auch sein jüngster Film kommt heute als Überraschungspaket in die Kinos. Denn "Kokowääh" durfte nicht vorab aufgeführt werden. Schon gar nicht vor Journalisten.


Denn was diese Zunft schreibt, ist ja soundso nicht ernst zu nehmen. Soll doch das Publikum selbst entscheiden. Als ob es das nicht ohnehin und immer täte.

Doch dazu muss man es erst in die Kinos bekommen. Da vertraut der Deutsche offenbar auf sich selbst als Publikumsmagnet an sich.

Til Schweiger scheint seinen Hang zu Perfektionismus und Kontrollwahn jedenfalls voll auszuleben. In seinen Projekten tritt er daher als absolutistischer Herrscher auf. Er führt Regie, ist Hauptdarsteller und schreibt auch das Skript. Für die weiteren Rollen verpflichtet er seine eigenen Kinder. Das muss ja an sich noch nicht schlecht sein. Aber die Chance, das zu sagen, gibt er Medienmacher erst gar nicht. Und übt sozusagen private Medien-Zensur.

Die goldene Marketing-Grundregel, dass schlechte PR besser ist als keine, scheint Schweiger nicht verstanden zu haben. Es ist ihm zu wünschen, dass die Medien den Spieß nicht eines Tages umdrehen und über ihn Berichterstattungs-Zensur verhängen. Stell dir vor, es ist Schweiger. Und keiner geht hin.