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Abstimmung mit der Fernbedienung

Von Bernhard Baumgartner

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443.000: Diese Zahl muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. So viele Zuseher waren bei der Opernübertragung "Anna Bolena" aus der Wiener Staatsoper hat am Dienstag auf ORF 2 dabei. Die "Nacht der Diven" mit Anna Netrebko und Elina Garanèa war zeitversetzt um 20.15 Uhr dreieinhalb Stunden lang gebracht worden. Es ist dies die erfolgreichste Opernübertragung der jüngeren Geschichte des Hauses. Der Autor kann sich an Gespräche mit Spitzenkräften erinnern, in denen "Oper im Hauptabend" das Synonym für einen vergeudeten Sendeplatz war. Sozusagen das schmerzvolle Zuckerl, das man den Statistikern ab und zu hinwerfen kann, um zu zeigen, dass man eh guten Willen in Sachen Kultur beweist. Nun schlug die Oper sogar den Spitzenfußball - und alle sind wieder einmal baff.


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Dabei braucht man sich im ORF nicht wundern. Wenn man ein kulturelles Weltereignis so aufbereitet, wie es der ORF in vorbildhafter Weise am Dienstag gemacht hat, ist es wenig überraschend, dass das Publikum mitzieht. Nicht dass jenen, die bisher im dreckigen T-Shirt mit Chips und Bier Fußball geschaut haben, nun die Tränen bei Annas Enthauptung in den Augen fuhren - aber das Publikum ist ganz offensichtlich auch für Hochkultur zu begeistern, wenn man sich nur ein wenig bemüht. Zudem sagen auch Menschen, die dem Ereignis live beiwohnten, dass es sowohl vom Klang als auch von der Optik her interessant ist, noch einmal mittels Kamera genauer hinzusehen und hinzuhören. Die Botschaft des Publikums ist also klar, man wird sehen, wie sehr sich der ORF weiter in der Hochkultur engagiert. Nicht nur weil es sich so gehört.