Zum Hauptinhalt springen

Absurd, surreal, Trump

Von Thomas Seifert

Leitartikel

Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur war zuerst lachhaft. Ein heiteres Gesprächsthema bei gemütlichen Runden von Polit-Aficionados. Man konnte sich herrlich amüsieren über den ungehobelten, geckenhaften, durchgeknallten Immobilientycoon aus New York. Das vergleichende Betrachten von Reden von Trump und dem italienischen Faschisten-Diktator Benito Mussolini bringt solche Abendgesellschaften ob der Ähnlichkeit zum Erschaudern, der gemeinsame Auftritt von Trump und dem Brexit-Organisator Nigel Farage, der sich nach dem Brexit-Votum aus der Verantwortung gestohlen hat, lässt zumindest Polit-Paranoiker an eine Verschwörung von populistischen Irrlichtern glauben.

Als Trump sich dann in den Vorwahlen mit einer Mischung aus Rücksichtslosigkeit, Kaltblütigkeit und nacktem Populismus entgegen den Prognosen der meisten Auguren die republikanische Präsidentschaftskandidatur sicherte, so schien das zunächst wie eine Katastrophe. Doch auf die Tragödie folgte die Farce. Die jetzt surreal wird: Am Mittwoch besuchte Trump Enrique Peña Nieto in Mexiko City. Wo ihn der mexikanische Präsident bizarrerweise wie einen Staatsgast empfing, anstatt ihn gleich als Staatsfeind wieder abzuschieben. Denn Trump bezeichnet Mexikaner bei seinen Wahlveranstaltungen pauschal als eine Bande Drogenschmuggler, Vergewaltiger und Verbrecher und verlangt in seinen Reden, dass Mexiko für die Errichtung einer über 3000 Kilometer langen Grenzmauer aufkommt.

Trump ist das fleischgewordene Menetekel für die Dekadenz der dysfunktionalen amerikanischen Demokratie. Wie konnte so einer wie Trump es so weit bringen? Und wie konnte die Republikanische Partei zu so einer heruntergekommenen Partie werden, die so einen wie Trump auf ihren Schild hebt? Es ist ein wahrlich weiter Weg für eine Partei, deren Säulenheiliger Ronald Reagan vor über 29 Jahren in Berlin das Einreißen von Mauern forderte und deren jetziger Präsidentschaftskandidat Trump einen neuen Mauerbau will. Und so wird Trump gleichzeitig zu einer symbolhaften Figur unserer Zeit: In den späten 80er Jahren ging es um das Niederreißen von Mauern, in den später 10er Jahren um Errichten von neuen.

1987, im Jahr der Reagan-Rede in Berlin, waren Tauwetter, Perestroika und Glasnost, 2017 verheißt nach den schwierigen Jahren seit 2008 ein weiteres Krisenjahr zu werden. Erst recht, sollte Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden.