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Abwärtsspirale - ohne Ende

Von Peter Wütherich

Wirtschaft

Panik an der Wall Street vor 80 Jahren. | Depression als Mahnung in der derzeitigen Krise. | Washington. (afp) Nach diesem Tag vor 80 Jahren blieb nichts mehr, wie es einmal war. Am 24. Oktober 1929, dem "Schwarzen Donnerstag", brachen an der New Yorker Wall Street plötzlich die Aktienkurse ein. Die Börsenpanik erfasste die ganze Welt. Sie trat die Weltwirtschaftskrise los, stürzte Millionen in Hunger und Armut, trieb Menschen in den Selbstmord und ebnete den Weg zu politischer Radikalisierung. Der Crash wurde zum Inbegriff der Wirtschaftskatastrophe - und für Ökonomen von heute zum mahnenden Beispiel dafür, wie panisches Gegensteuern eine Krise ungewollt verschlimmert.


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Die Menschen konnten sich im Oktober 1929 keinen Begriff von der Tragweite der Krise machen, die vor ihnen lag. Der 90-jährige John D. Rockefeller, der reichste Mann seiner Zeit, investierte schon wenige Tage nach dem Kurssturz in neue Aktien. "Depressionen kommen und gehen", sagte der Krösus. Es war eine verhängnisvolle Fehleinschätzung. Der Dow-Jones-Index stürzte immer weiter, bis er im Juli 1932 fast 90 Prozent seines Wertes verloren hatte. Es sollte mehr als 20 Jahre dauern, ehe er wieder den Stand von vor der Krise erreichte.

Schädlicher Sparkurs

Auf den ersten Blick fallen Parallelen auf zwischen der großen Depression nach 1929 und der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers im September 2008 begann. Am Beginn beider Krisen stand das Platzen einer Spekulationsblase, Banken gerieten in Schieflage, der Kreditfluss kam ins Stocken, die Produktion brach ein.

Die Krise in den Jahren nach 1929 wurde zur Extremerfahrung, der sich kaum ein Bürger entziehen konnte. Der US-Ökonom John Kenneth Galbraith urteilte: "Das Einzigartige am großen Crash von 1929 war, dass die Spirale nach unten kein Ende nahm." Dass sich der Börsencrash von 1929 zu einer Depression auswuchs, führen Ökonomen vor allem auf eine dramatische Fehlreaktion bei der Krisenbewältigung zurück: Die Regierungen setzten aus Inflationsangst auf einen eisernen Sparkurs - und brachen der Konjunktur durch eine Verknappung des Geldes vollends das Rückgrat.

In der derzeitigen Krise wurde ganz anders reagiert: Die Zentralbanken überschwemmten weltweit die Märkte mit frischem Geld - das Risiko einer späteren Inflation in Kauf nehmend. Geistiger Vater dieser Politik ist US-Zentralbankchef Ben Bernanke. Dass die Mahnung aus der Vergangenheit seine Entscheidungen beeinflusste, gibt er offen zu: "Ich wollte nicht als der Zentralbank-Chef in die Geschichte eingehen, der über die zweite große Depression zu wachen hat."