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Achim Benning

Von Hans Haider

Reflexionen

Achim Benning erinnert sich an seine Zeit als Burgtheaterdirektor von 1976 bis 1986, spricht über Havel, Peymann und Minetti, über hilfreiche Politik und kunstfeindliche Medien - und zeigt sich verwundert über die Wienerische Amnesie.


"Wiener Zeitung":

Achim Benning.
© Foto: Andreas Pessenlehner © Wiener Zeitung

Herr Benning, gehen Sie noch ins Theater?Achim Benning: Ich gehe immer, wenn meine ehemaligen Studenten aus dem Reinhardt-Seminar etwas inszeniert haben.

Sie sind Ehrenmitglied des Burgtheaters, doch in der Ehrengalerie habe ich Ihr Porträt nicht gefunden.

Ich auch nicht. Aber ich habe ein Ehrenzeichen der Stadt Wien erhalten, das muss sich wohl um einen liebenswürdigen Irrtum handeln. Ansonsten bin ich, wie Max Reinhardt gesagt hat, trockenen Fußes durch den österreichischen Ordensregen gekommen.

Sie traten das erste Mal im Burgtheater 1959 auf, noch als Reinhardt-Seminarist.

Ich wurde als Regieassistent und Schauspieler engagiert. Anfangs habe ich auch Regieassistenzen gemacht, bei Gielen, Steinboeck, dann aber wurde ich so oft als Schauspieler besetzt, dass die Assistenzen unmöglich wurden.

Damals musste man ja des öfteren am selben Abend in der Burg und im Akademietheater auftreten und sich manches Mal im VW-Bus umziehen, etwa auf der Fahrt von Strindbergs "Nach Damaskus" zu Shakespeares "Heinrich VI.".

Ihre Essays und Reden zwischen 1976 und 2010, die Sie nun als Buch mit dem Titel "In den Spiegel greifen" veröffentlicht haben, sind wohl eine Art Vermächtnis?

Nein, nur eine Auskunft. Vor allem deshalb, weil der Herausgeber, Peter Roessler, der ein seriöser Wissenschafter und kein abhängiger Lohnschreiber ist, darin eine neutrale kritische Darstellung meiner zehn Jahre als Direktor des Burgtheaters vorgenommen hat. Ein kluger und kenntnisreicher Versuch, dem bemerkenswerten Vergessen und Verdrängen dieser vom Kalten Krieg geprägten Kultur-Zeit entgegen zu wirken.

Ihr Vorgänger Gerhard Klingenberg, der sich auch noch bester Gesundheit erfreut, schrieb eine Autobiographie mit dem provokanten Titel "Kein Blatt vor dem Mund". Aus seiner Direktionszeit erinnert man sich besonders an den Zwist mit Thomas Bernhard, der für die Uraufführung der "Jagdgesellschaft" 1974 zwar seinen Wunschregisseur Peymann durchboxte, doch statt Bruno Ganz bekam Joachim Bißmeier die Rolle des Schriftstellers - später ein glänzender Magnetnamen Ihrer Direktion. Peymann sagte Ihnen nach, er habe Ihr "verschnarchtes" Burgtheater endlich aufgeweckt.

Dass ich keine Autobiographie geschrieben habe, ist kein Ausdruck von Bescheidenheit, sondern eine hohe Form der Eitelkeit. Ich stelle gewisse Ansprüche an gedruckte Texte. Nach Alexander Granachs "Da geht ein Mensch" und Fritz Kortners "Aller Tage Abend" sollte man als Autobiograph, als Ghostwriter oder als Auftragsschreiber erst einmal ein Jahrhundert lang den Mund halten. Gerade die Autobiographien von Theaterleuten unterliegen in besonderem Ausmaß den "Erinnerungsfälschungen", ein Wort von Arthur Schnitzler. Doch wenn sie gedruckt sind, werden sie zu Dokumenten, und die Theaterwissenschafter benutzen sie als Quellen - das finde ich lächerlich.

Zu Peymanns scharfsinnigen Schnarch-Analysen habe ich nichts zu sagen, habe aber damals erstaunt zur Kenntnis genommen, dass die Wiener Kunst-Bürger glücklich und dankbar dafür waren, dass sie Zeitgenossen der eigentlichen Gründung des Burgtheaters sein durften und die alte Geschichtsklitterung, dass dieses Theater 1776 von Joseph II. gegründet wurde, endlich als peinliche Irreführung entlarvt wurde.

Vergessen wir Ihre Prophezeiung von 1975, ihre Direktion werde "im günstigsten Fall vier Jahre dauern, denn ich bin von Beruf Schauspieler und Regisseur". 1976 bekannten Sie sich in einer programmatischen Schrift zu einem "glaubwürdigen Theater, das die Wirklichkeit vergegenwärtigt und unsere Sehnsüchte am Leben erhält". Und: "Die aufklärerischen Ansprüche haben das Theater oft stranguliert, da sie, insbesondere im deutschen Sprachraum, immer wieder eine Waffe der Doktrinäre und Oberlehrer geworden sind". Trotz dieser liberalen Positionierung wurden sie bald Zielscheibe einer rechten Jagdgesellschaft, voran FPÖ-Obmann Friedrich Peter. Man spürt noch heute eine gewisse Verbitterung.

Ich bin nicht verbittert. Im Gegenteil. Ich bin sehr froh, dass ich als Burgtheater-Direktor in der Kreisky-Zeit arbeiten konnte. Aber es ergibt sich für jeden denkenden Menschen die Frage, die sich auch Max Frisch stellte: War meine Zeit meine Zeit? Also: Keine Verbitterung, sondern unendliche Verwunderung über die Wienerische Amnesie, wenn ich etwa im ORF die Meldung höre, wie sich Claus Peymann für Václav Havel eingesetzt hat, und dann die ganzen Havel-Freunde auftauchen und sagen: "Mein Freund Václav hat . . . ." Da kommt man aus dem Staunen wirklich nicht heraus. Havel hat als Präsident selber gesagt: Das Unangenehmste sind die neuen Freunde, die man von früher kennt.

In Ihrem Burgtheater wurde Havel so intensiv als Hausautor gepflegt wie unter Peymann nicht einmal Turrini, Bernhard, Jelinek. Wann haben Sie Havel das letzte Mal getroffen?

Im November 2010 hat sich in Prag der Schauspieler Pavel Landowsky, der an der Burg Zuflucht gefunden hatte, von der Bühne verabschiedet. Ich war als Ehrengast eingeladen. Da sollte Havel auch kommen, er hat damals in Prag einen Film gedreht, "Odcházení", deutsch "Abgang". Er musste absagen, es ging ihm schon sehr schlecht. Dann kamen 2011 die großen Abgänge - von Klaus Juncker, dem Chef des Rowohlt-Theaterverlags, ohne den Havel nicht zu denken war, von Jiři Grusa und von Havel selbst. Da ist eine ganze Welt verschwunden.

Indem der Minister Helmut Zilk 1986 Claus Peymann als Ihren Nachfolger berief, war die Gewissheit gegeben, dass damit das tschechische Exiltheater in Wien liquidiert wird. Halten Sie es für möglich, dass der in unaufgeklärte Naheverhältnisse zum Prager Regime verstrickte Zilk den Tschechen einen politischen Gefallen machen wollte?

"Ich bin nicht verbittert. Im Gegenteil. Ich bin sehr froh, dass ich als Burgtheater-Direktor in der Kreisky-Zeit arbeiten konnte": Achim Benning im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiter Hans Haider.
© Foto: Andreas Pessenlehner © Wiener Zeitung

Ich halte grundsätzlich nicht für möglich, dass man komplizierte Dinge - wie bekanntlich auch Sinowatz meinte - auf kurze Erklärungen zusammenschrumpfen kann. Im Übrigen kann man nach zehn Jahren durchaus eine Direktionszeit beenden, da finde ich nichts dabei. Ich kann mich für meine Direktionszeit über die Zusammenarbeit mit der sogenannten Obrigkeit in keiner Weise beklagen.

Die war ja mit Fred Sinowatz sehr gut.

Ja, ausgezeichnet. Auch mit Rudolf Kirchschläger, Botschafter 1968 in Prag, Bundespräsident von 1974 bis 1986. Die ganze politische Ebene war hilfreich. Da gab es keinen Grund zur Verbitterung.

Doch es gab politische Angriffe auf Sie, hauptsächlich aus der FPÖ, aber manche auch aus der ÖVP, die härtesten Kampagne ritt die "Kronen Zeitung". Die Rede war von "Linker Unterwanderung", "Monströsen Theaterkonfusionen", "Experimentierfeld für DDR-Regisseure", "Ansatz zur Zwangsbeglückung". Dass Sie nach DDR-Künstlern Ausschau hielten, beweist Ihr 1977 leider missglückter Versuch, Einar Schleef, den späteren Favoriten von Peymann und Elfriede Jelinek, an die Burg zu holen, und zwar als Bühnenbildner für "Schloss Wetterstein" von Wedekind in der Regie von B.K. Tragelehn.

Ich hatte im Berliner Ensemble Tragelehns und Schleefs Inszenierung von Strindbergs "Fräulein Julie" gesehen. Die fand ich aufregend; sie ist auch bald aus dem Spielplan des Ensembles verschwunden. Ich habe Tragelehn und Schleef engagiert. Der originelle Einar Schleef - abgesehen davon, dass er keine Entwürfe lieferte - schrieb sogleich einen Brief an Honecker, dass, wenn der nicht sofort die DDR umkrempelt, er nicht zurückkomme. Das war unfair vor allem gegenüber Tragelehn, denn das Projekt war nun nicht mehr zu halten, weil die DDR-Künstleragentur Druck machte. Und die Kronen Zeitung hatte wieder ihr DDR-Thema.

Die Burg wurde als "Fünfte Kolonne der DDR" verdächtigt.

Das hat uns oft fassungslos gemacht; vor allem aber der spätere Wandel der Leute, die uns als "Fünfte Kolonne der DDR" bezeichneten und uns nachher übergangslos, um den Nachfolger als linken Revolutionär feiern zu können, zu Reaktionären gestempelt haben. Schnitzler hat so was "vorsätzliche Amnesie" genannt. Die atemberaubende Wendigkeit all dieser Gesinnungsartisten zeigte sich auch im Fall Hörbiger/ Wessely. Plötzlich entdeckten die Chamäleons des Feuilletons, dass Paula Wessely und Attila Hörbiger einen widerwärtigen Film gedreht und einmal mit Goebbels gefrühstückt hatten. Kollegen von Ihnen, die vorher der Direktion ständig vorwarfen, dass man diese genialen Schauspieler nicht hinreichend beschäftigt, empfahlen plötzlich, gratis allen Wienern das Burgtheater-Stück von Elfriede Jelinek vorzuführen, damit sie endlich erfahren, was die beiden für schlimmen Nazis waren. Gesinnungsakrobatik in Hochform!

Claus Peymann rühmte sich, erstmals Bernhard Minetti ans Burgtheater geholt zu haben. Minetti, 1938 als "Staatsschauspieler" geehrt, gab hier schon 1939 als Gast den Bolingbroke in "Richard II.".

"Nestroy ist für mich einer der großen Autoren des Welttheaters." (Benning) Abb.: Wikimedia
© © Wikimedia Commons

Das wusste ich nicht. Ich kannte jüdische Schauspieler, die gesagt haben: Mit dem Minetti geh ich nicht auf die Bühne, da ist Schluss. Minetti hat mir einmal eine Klage angedroht, das machte er aber dann nicht. Mich hat, wie damals viele andere auch, die Borsche-Geschichte aufgeregt: Der Schauspieler Dieter Borsche war in einem Durchhaltestück in der Regie von Minetti besetzt, 1943/44 in Breslau, kurz bevor die Theater geschlossen wurden. Da haben Schauspieler gemeutert, nicht aus politischen Gründen, sondern sie hielten es wohl für ein blödes Stück. Daraufhin habe ihnen Minetti mit dem KZ gedroht. Nach Borsches Tod wurde Minetti darauf angesprochen, und der sagte: Der Borsche war immer ein dummer Schauspieler, der habe seine feine Ironie nicht verstanden. Minetti wurde nachträglich zu einem Fast-Widerstandskämpfer gemacht, doch er war wahrscheinlich einer der wenigen echten und besonders unangenehmen Nationalsozialisten unter den bedeutenden Schauspielern des deutschen Theaters.

Wie genau kennen Sie das heutige Ensemble im Burgtheater?

Nicht sehr gut. Ich gehe zu wenig ins Theater. Leider. Im Übrigen äußere ich mich nie öffentlich zu der Arbeit von Kollegen.

Heuer ist ein Nestroy-Jahr: Man soll Jubiläen nicht überschätzen - doch pünktlich im Jahr 1962 setzte die große Nestroy-Renaissance ein, auch in Deutschland, wo viele Österreicher im Engagement waren, und auch dank Hans Weigel als Werbetrommler und Bearbeiter. Das Burgtheater hat zum 150. Todestag am 25. Mai keinen Nestroy im Repertoire. Sehen Sie noch Nestroy-Schwergewichte im Ensemble?

Das kann und will ich nicht beurteilen. Wir hatten zu Anfang meiner Direktionszeit jedenfalls Ensemble-Probleme bei unserem Nestroy-Programm und haben uns verstärkt mit jungen Schauspielern - Elisabeth Augustin, Regina Fritsch, Gabriele Schuchter, Karlheinz Hackl, Robert Meyer, Rudolf Buczolich, Oliver Stern u.a. - und mit großen "alten" Nestroy-Schauspielern: Walter Langer und Herbert Probst. Kurt Sowinetz, Fritz Muliar und Heinrich Schweiger waren da; später kam dann auch Branko Samarovski dazu. Mit diesen wunderbaren Schauspielern konnte ich auch in der Peymann-Ära in meinen Nestroy-Inszenierungen zu meiner Freude weiter zusammenarbeiten. Nestroy ist für mich einer der großen Autoren des Welttheaters. Wäre er übersetzbar, stünde er in der Welt auf derselben Ebene wie Shakespeare und Molière.

Eine Ihrer beim Publikum gut angekommenen Entdeckungen war Carl Sternheim. Doch seit Ihrer Serie wurde es still um Sternheim, nicht nur in Wien, sondern im ganzen deutschen Sprachraum.

Achim Benning.
© Foto: Andreas Pessenlehner © Wiener Zeitung

Es gibt immer wieder schwer erklärbare Wechsel zwischen einer Konjunktur und einer Baisse, zwischen der An- oder Abwesenheit von Autoren in unseren Spielplänen. Sternheim gehörte in meiner Zeit so wie Wedekind, Musil, Broch und Canetti und sogar Sudermann zu den "nachgeholten" Autoren in unserem Spielplan.

Die Dramaturgie leitete in Ihren Jahren Reinhard Urbach, ein exzellenter Kenner von Schnitzler und Nestroy, der als Verehrer Ferdinand Raimunds seinen Sohn Ferdinand taufte. Sie hatten ein harmonisches Team und eine kontinuierliche Konzeptarbeit. Heute zieht ein Direktor einen Regisseur an Land und kauft das Stück ein, das der vorschlägt.

Es gab ein Programm und ein gutes Team. Mit dem vielsprachigen Rupi Weys, der die Kontakte in Polen und Tschechien pflegte. Wir hatten etwa den hervorragenden Skandinavisten Heiner Gimmler, dessen Strindberg-Übersetzungen im ganzen deutschen Sprachraum gespielt wurden. Wir gingen auf die Regisseure zu mit einem bestimmten Programm. Sonst kam die Zusammenarbeit nicht zustande. Das war leider bei Peter Zadek, mit dem wir arbeiten wollten, der Fall.

Rudolf Noelte, der bei Ihnen 1979 inszenierte, war als ein CSU-Konservativer bekannt.

Auch er wurde in Wien zum DDR-Regisseur. Bei seiner "Tartuffe"-Premiere gab es Publikumsproteste. Schlechterdings, weil die Schauspieler zu leise waren. Noelte war berüchtigt als Flüsterfanatiker. Schon bei den Proben verlangte er, dass die Ventilatoren abgeschaltet werden. Keiner durfte tief atmen. Nun kam die Quittung. Noeltes Frau, die Schauspielerin Cordula Trantow, kam nach der Vorstellung empört zu Noelte und gab ihm den Rest. Sie hatte im Zuschauerraum vor dem Ende der Pause von unzufriedenen Zuschauern den Satz gehört: "Das ist sicher wieder einer von diesen DDR-Regisseuren". Das war Noelte zu viel, da hat der bebend verkündet: In dieser Stadt arbeite ich nicht mehr. Was den Leuten irgendwie nicht passte, war DDR. Das war vorwiegend die Wirksamkeit der "Kronen Zeitung".

Robert Musils "Schwärmer" mit Erika Pluhar, Gertraud Jesserer, Joachim Bißmeier, Wolfgang Gasser und Wolfgang Hübsch wurde 1980 in der Inszenierung von Erwin Axer ein Sensationserfolg.

Wir hatten damit nicht gerechnet, denn das Stück dauerte fünf Stunden. Kaum jemand hatte "Die Schwärmer" gelesen, aber jeder wusste: Kreisky liest Musil. Also musste man hingehen. 1985 haben wir Musils "Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer" gemacht, eine gute Vorstellung mit sehr guter Besetzung - Jonasson, Gasser, Hübsch. Aber das ist nicht so gut gegangen, weil die Leute gesagt haben: Noch einmal tue ich mir den Musil nicht an.

Da war auch Bruno Kreisky nicht mehr Bundeskanzler! Erschiene Ihnen im Traum ein allmächtiger Kunstminister und böte ihnen wieder die Burg an: Welche drei Stücke würden Sie als erste ansetzen?

Zunächst würde ich das Angebot als Alptraum empfinden. Außerdem: Es gibt mehr als drei Autoren, die mir wichtig sind, und ich weiß nicht, was unser derzeitiger Bundeskanzler liest. Daher kann ich diese journalistische Frage leider nicht beantworten.

Hans Haider, geboren 1946, lebt als Kulturjournalist und Publizist in Wien und ist Theater- und Architekturkritiker der "Wiener Zeitung".

Zur Person<br style="font-weight: bold;" /> <br style="font-weight: bold;" /> Achim Benning, Schauspieler und Regisseur, leitete von 1976 bis 1986 das Burgtheater. 1989 übernahm er das Schauspielhaus Zürich, doch verließ er es 1992 vorzeitig nach Auseinandersetzungen über das Budget. Im Max-Reinhardt-Seminar in Wien wirkte er danach zehn Jahre als ordentlicher Professor für Regie. Er lebt in Großgmain und in Wien.

Benning wurde 1935 als Sohn eines Ingenieurs in Magdeburg geboren. In Wien absolvierte er das Reinhardt-Seminar, 1959 kam er als Regieassistent an die Burg. Eine Paraderolle als Schauspieler fand er als Molières "Geiziger". Als 1970 eine erste Ensemblevertretung zusammentrat, wurde er ihr Sprecher und bald der von breitem Vertrauen getragene Nachfolger von Gerhard Klingenberg als Direktor. Konkurrent bei der Bewerbung war Thomas Bernhard. Benning setzte sein Reformprogramm durch: eine Literarisierung und Internationalisierung mit dem Ziel einer aufgeklärten Volksbildung. In rüden Kampagnen wurde ihm eine "Unterwanderung" durch Regisseure aus der DDR vorgeworfen. Erstmals gab es Aufführungen für Kinder im großen Haus. Als Regisseur pflegte er besonders Tschechow, Gorki, Schnitzler, Nestroy. Den in der ČSSR verfolgten Dichtern Václav Havel und Pavel Kohout öffnete er eine Exilbühne - "mein Muttertheater" nannte sie der spätere Staatspräsident. Elias Canettis Dramen dem gesamtdeutschen Repertoire zu sichern, gelang ihm jedoch nicht.

In der Wiener Edition Steinbauer ist heuer Bennings Buch "In den Spiegel greifen. Texte zum Theater" erschienen, das vom Theaterwissenschafter Peter Roessler herausgegeben wurde.