Zum Hauptinhalt springen

Achmad Kadyrow - "Verräter" mit vielen Feinden

Von Wolfgang Tucek

Politik

Kadyrow wurde 1951 im kasachischen Exil geboren. Er war im ersten Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996 noch selbst auf der Seite der Unabhängigkeitsbewegung und rief 1995 zum Heiligen Krieg gegen Moskau und den damaligen Präsidenten Boris Jelzin auf. Kurz davor war er nach dem Studium der Islam-Wissenschaften in Usbekistan zum geistlichen Oberhaupt der Tschetschenen aufgestiegen, dem Mufti.

Nach dem Tod des tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew im April 1996 war Kadyrow anfangs auch noch dessen Nachfolger Aslan Maschadow ergeben. Es kam zum Bruch mit Maschadow, als der Mufti 1999 öffentlich den Grenzübertritt des tschetschenischen Feldkommandanten Shamil Bassajew "im Namen der islamischen Solidarität" nach Dagestan verurteilte, der neben bis heute ungeklärten Bombenanschlägen auf Moskauer Wohnhäuser den gegenwärtigen Tschetschenienkrieg ausgelöst hatte. Als Kadyrow seine Landsleute beim russischen Einmarsch dann noch aufrief, keinen bewaffneten Widerstand zu leisten, setzte Maschadow ihn als Mufti ab, und erklärte ihn zum "Volksfeind Nummer 1".

Kadyrow wechselte die Seiten und stellte sich den Russen als Verwalter zur Verfügung. Obwohl er offiziell das Vorgehen seiner Schutzmacht gegen die Bevölkerung in Tschetschenien zuletzt kritisierte, haben ihm die Separatisten nie vergeben. Die zahlreichen kolportierten Morde und Entführungen seiner "Leibgarde" in einem Land in der seit jeher die Blutrache gilt und sein finanzielles Gebaren - von unterschlagenen Aufbaugeldern aus Moskau bis zu groß angelegten Schmuggel- und Hehlereigeschäften - ließen die Zahl seiner Todfeinde ins Uferlose steigen.