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Acht Jahre Einsatz in Afghanistan: Die Friedensmission ist gescheitert

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Im Oktober 2001 fielen die ersten alliierten Bomben auf Afghanistan. Ziel war es, die radikalen Islamisten zu vernichten und dem Land Demokratie und Freiheit zu bringen. Diese Mission ist heute als gescheitert zu betrachten. | Kein Tag vergeht, ohne Meldungen über Tote in Afghanistan. An die 1500 Koalitionssoldaten haben mittlerweile ihr Leben gelassen - Tendenz stark steigend. Zahlen zu getöteten Taliban liegen nicht vor, dafür Schätzungen zu zivilen Opfern: bis zu 50.000 soll der Krieg bereits gefordert haben. In gut acht Jahren haben es die alliierten Truppen nicht geschafft, in dem gebirgigen und unwegsamen Rückzugsgebiet der Taliban Meter zu machen. Von Kontrolle der Lage am Hindukusch kann man zurzeit nicht einmal träumen. Bezeichnend: Die italienische Armee ging sogar so weit, sich ihren Frieden mit Schutzgeldzahlungen an die Taliban zu erkaufen.


Kaum jemand hat noch Lust, seine Leute auf ein Himmelfahrtskommando an den Hindukusch zu schicken. Die UNO hat den Großteil ihrer Mitarbeiter ausgeflogen, Kanada und Australien haben ihren Abzug bereits beschlossen, Holland steht kurz davor und sogar Großbritanniens Premier Gordon Brown erklärte unlängst, nicht länger bereit zu sein, das Leben seiner Soldaten für ein korruptes Land zu riskieren. Einzig für US-Präsident Obama hat Afghanistan nach wie vor Priorität

Doch wird auch er realisiert haben, dass die freiheitlichen und demokratischen Ideale, die sein Land exportieren wollte, in Afghanistan nicht ankommen. An der Spitze des Landes steht ein Präsident, der durch Wahlbetrug ins Amt gehievt wurde. Dies spricht Hamid Karzai ebenso jegliche Legitimation ab wie die Tatsache, dass ihm der Großteil des Landes nicht untersteht. Scherzhaft wird Karzai deshalb Bürgermeister von Kabul genannt. Dabei sind nicht einmal dort die Menschen vor Anschlägen sicher.

Der Versuch, ausbleibende militärische Erfolge durch Diplomatie zu kompensieren, schlug fehl. Immer wieder wurde Karzai bei den Taliban vorstellig und versuchte sie in die Regierung einzubinden, oder sich zumindest anderwertig mit ihnen zu arrangieren. Immer wieder lehnten die Taliban ab.

Der Illusion, man könnte über die Bevölkerung Afghanistan bekehren, braucht sich der Westen nicht hinzugeben. Die zigtausenden zivilen Opfer machen den Westen unter den Afghanen nicht viel beliebter als die Taliban.

Letztlich hat der Westen so gut wie nichts gegen den Drogenhandel und den Drogenanbau in Afghanistan erreicht. Über diesen beziehen die Taliban munter das Geld, das sie brauchen, um gegen die Westmächte gerüstet zu sein.

Mit Optimismus begannen die Alliierten die "Operation Enduring Freedom", "dauerhafter Frieden", mit der der Terror in Afghani stan besiegt werden sollte. Heute ist der Name nur noch der zynische Nachhall des Scheiterns.

analyse@wienerzeitung.at