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Acosta, der Gutlebemensch

Von Alexander U. Mathé

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Der ehemalige Energieminister von Ecuador setzt auf das indigene Konzept des guten Lebens als Alternative zu Wirtschaftswachstum.


Alberto Acosta tourt durch die Welt und setzt sich für gutes Leben ein. Das, was grundsätzlich jeder Mensch anstrebt, hat für den ehemaligen Energieminister Ecuadors System. Das Konzept des "buen vivir" oder "sumak kawsay", wie es die Ketschua nennen, stammt von den indigenen Völkern des Andenraums, für die es ein zentrales Prinzip ihrer Weltanschauung ist. Dabei geht es darum, materielle, soziale und spirituelle Zufriedenheit für alle Mitglieder der Gemeinschaft zu erreichen, jedoch nicht auf Kosten anderer Mitglieder und nicht auf Kosten der natürlichen Lebensgrundlagen.

Für den linken Ökonomen, dem auch eine gewisse Nähe zum Marxismus nachgesagt wird, ist diese Idee eine notwendige Alternative zum Kapitalismus. Durch stetigen Wettbewerb und Streben nach unendlichem Wachstum ist Acosta zufolge die Welt an einem toten Punkt angelangt, an dem sie sich selbst zerstöre.

Einen ersten Schritt zu einem Wandel hat er vollzogen, als er noch Mitglied der ecuadorianischen Regierung war. Als Präsident der Konstitutionellen Versammlung prägte er 2007 die neue Verfassung maßgeblich mit, in deren Präambel das Konzept des "buen vivir" verankert wurde. Später überwarf er sich allerdings mit Präsident Rafael Correa und trat von seinen Ämtern zurück. Dabei ging es einerseits darum, dass Acosta den betroffenen Gemeinden ein Mitspracherecht bei der Konzession von Schürfrechten und Erdölförderung einräumen wollte, was Correa nicht gefiel. Anderseits räumte er der Opposition in der Versammlung für den Geschmack des Präsidenten zu viel Redezeit ein.

Seither ist Acosta nur noch Privatmann, beziehungsweise Wirtschaftsprofessor in Ecuador. Doch seine politischen Ziele hat der 63-Jährige nicht aufgegeben. Derzeit reist er durch Österreich und Deutschland, wo er studiert hat. 1974 wurde er Diplom-Betriebswirt an der Fachhochschule Köln, 1979 Diplom-Volkswirt an der Universität Köln. Nun versucht er, Entscheidungsträger für das "buen vivir" zu erwärmen. "Ich will keine Entwicklungsalternative, sondern eine Alternative für die Entwicklung", brachte er sein Ziel auf den Punkt. Gleichzeitig trachtet er danach, in Europa ein Bewusstsein der weltweiten Mitverantwortlichkeit zu schaffen - etwa wenn es darum geht, Zahlungen dafür zu leisten, dass Ecuador auf die Erdölförderung zugunsten der Erhaltung des Amazonas verzichtet. Dabei will er bei den Europäern direkt ansetzen. Mit römischen Parlamentariern stand er bereits in Verhandlung, in Italien steuerliche Abschreibung zugunsten des Schutzes des Regenwalds zu ermöglichen.