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Ade in Versform

Von Martyna Czarnowska

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Was folgt auf einen Spitzenposten in der EU-Kommission?


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Bei Abschieden sind poetische Worte besonders beliebt. Der Portugiese Jose Manuel Barroso, Ex-Präsident der EU-Kommission, zitierte bei seinem letzten Auftritt vor den Medien ein Gedicht seines Landsmanns Miguel Torga. Herman Van Rompuy, bald ehemaliger EU-Ratspräsident, könnte mit einem Haiku Lebewohl sagen. In der Kunst der japanischen Versform übt sich der Belgier schon seit Jahren.

Für beide ist es nicht nur ein Ade von den EU-Spitzeninstitutionen, sondern von der Politik überhaupt. Van Rompuy hat dies schon vor längerer Zeit angekündigt; Barroso befand vor kurzem, er habe sich nach zehn Jahren an der Spitze der Kommission eine kleine Pause verdient. Vielleicht stehen nun Vorträge an, Lehraufträge an Universitäten. Ein Buch, das im Titel das Wort "Vermächtnis" trägt, hat Barroso bereits veröffentlicht.

Doch ziehen sich keineswegs alle ehemaligen Kommissare aus der Politik zurück. Einige haben bereits ihren Tätigkeitsort ins Europäische Parlament verlagert. Dazu gehören Ex-Justizkommissarin Viviane Reding, ihr einst fürs Budget zuständige Kollege Janusz Lewandowski oder Ex-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Andere zieht es in die Innenpolitik ihres Landes: So hat der Franzose Michel Barnier, in Brüssel für den Bereich Binnenmarkt verantwortlich, seine Kandidatur für die Präsidentschaft in der Region Rhone-Auvergne bekanntgegeben.

Umgekehrt überraschten wieder andere in ihrer Heimat mit der Ankündigung, sich nicht weiter der Politik zu widmen: Die Dänin Connie Hedegaard zieht - entgegen früheren Spekulationen - die Arbeit in einer internationalen Umweltstiftung vor, deren Leitung sie kommendes Jahr übernimmt. Bei manchen hingegen war klar, dass für sie eine Rückkehr in die Landespolitik kaum Anziehungskraft hätte. Nicht zuletzt deswegen, weil sich die Verhältnisse in ihrer Heimat geändert haben. So ist die sozialistische Regierung in Budapest, die Laszlo Andor als Ungarns Kommissar nach Brüssel geschickt hatte, schon lange nicht mehr im Amt. Der Ökonom will sich nun verstärkt seiner akademischen Tätigkeit widmen.

Manche jedoch hielten sich zum Thema ihrer beruflichen Pläne bis zum Schluss bedeckt. Wie Stefan Füle, von dem der österreichische Kommissar Johannes Hahn nun die Agenden der Nachbarschaftspolitik und der Erweiterungsverhandlungen übernimmt. Fix ist lediglich, dass der tschechische Diplomat zunächst einmal nach Prag zurückkehrt.

Es gibt allerdings auch jemanden, der das Mandat in der Kommission länger ausübt als die Legislaturperiode vorsieht. Die neue EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erhält nämlich - zumindest für einige Wochen - Unterstützung von ihrer Vorgängerin Catherine Ashton. Die Britin soll die Atomgespräche mit dem Iran fürs Erste weiterführen.

Freilich wäre so mancher gerne noch länger auf seinem Spitzenposten geblieben. Der rumänische Agrarkommissar Dacian Ciolos etwa war Kandidat auch für die künftige Kommission. Doch wurde dann ebenfalls Corina Cretu nominiert. Ihre Bewerbung half Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, eine Frauenquote zu erfüllen, die wenigstens nicht unter jener im Kabinett Barroso lag. Daher wird es Cretu sein, die sich in den nächsten Jahren um die Regionalpolitik kümmert.