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Adele im Machtrausch

Von Ina Weber

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Ein Charakter, der sich im Laufe der Geschichte nicht verändert, ist langweilig - da kann man ihn noch so gut besetzen. Die erneute Verfilmung der Figur Adele Spitzeder durch ORF und ARD brachte keine Spannung, trotz der hochkarätigen Besetzung mit Schauspielerin Birgit Minichmayr und Regisseur Xaver Schwarzenberger, der schon Margarete Steiff und Andreas Hofer inszenierte. Der Film war kein Film, sondern wirkte vielmehr wie ein Theaterstück. Starr und hölzern in der Handlung, wie die Hauptdarstellerin selbst. Zweifelsohne hat Minichmayr Adele gut dargestellt, es kam aber zu keiner Nähe, wie es das Genre Film üblicherweise zulassen würde. Sie blieb Bühnenschauspielerin, die als die große Verführerin jedem ihren Platz zuwies. So auch dem Fernsehpublikum.

Am Ende bleibt nichts von Adele, ihre Handlungen, ein einzig großer Rausch, die Verfilmung, eine Darstellung, die keine Berührungen mit dem Zuseher zulässt. Dabei steht hinter Adele Spitzeder, die im 19. Jahrhundert lebte, eine spannende Figur. In ihrer Geldnot hatte sie die Idee, ihre eigene Bank zu gründen. Mit dem Geld der Armen, denen sie Zinsen im Voraus gab, häufte sie ein Vermögen an. Sie nutzte es für sich, verschenkte es aber auch an die Armen. Als sich sechzig Gläubiger fanden, die ihr Geld sofort ausbezahlt haben wollten, landete sie als Betrügerin im Gefängnis. Das abrupte Ende durch den ORF - Minichmayrs Augenaufschlag in der Schlussszene wurde mit Werbung überlegt - hatte der Film aber auch wieder nicht verdient.