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Advent, etwas anders

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

"Es ist wirklich spannend zu sehen, wie Papst Franziskus mit großen Schritten voranschreitet. Werden wir Schritt halten können?", fragte Christoph Kardinal Schönborn vor einigen Tagen. Nun, in manchen Bereichen ist die Kirche schneller, als Schönborns Aussage vermuten lässt. In Kroatien etwa betätigte sich die katholische Kirche unverhohlen als Unterstützer eines Volksbegehrens "gegen die Homo-Ehe". Dass die Kirche damit einen tiefen Spalt in die kroatische Gesellschaft reißt und eine Regierung sinnlos in Probleme stürzt, nehmen deren Würdenträger offensichtlich in Kauf. Die wenig segensreichen Hobby-Politiker in der Soutane gehen aber noch weiter. Katholische Geistliche unterstützen offen kroatische Nationalisten und den Plan, die kyrillische Schrift per Volksentscheid zu verbieten. Es geht dabei klar gegen die (orthodoxe) serbische Minderheit.

Wie sich das mit den Reformideen von Papst Franziskus verträgt, der Freiheit vor Zwang und Einladung vor Kontrolle stellt, haben die Bischöfe nicht beantwortet. Dass eine Kirche, die Hass und Zwietracht unter Menschen sät, aber ihren Zweck verfehlt, gilt als sicher.

Doch nicht nur in Kroatien gefällt sich die katholische Kirche in spiritueller Weltlichkeit. In Slowenien ist sie - in Gestalt der Erzdiözese Marburg - ein riesiger Investmentfonds, der nicht nur sich selbst an den Rand der Pleite brachte, sondern auch mehr als 60.000 Slowenen um ihr Erspartes zittern lässt. Dort hat der Papst durchgegriffen und zwei Erzbischöfe abgesetzt. Ein Faktor in der slowenischen Innenpolitik ist die Kirche nach wie vor.

Und noch etwas weiter im Norden, in Österreich, sieht sie mit Wohlgefallen den Plan, die Sterbehilfe per Verfassungsgesetz zu verbieten. Aktive Sterbehilfe ist derzeit schon verboten. Dies auch noch in die Verfassung aufzunehmen, erscheint doch sehr dogmatisch. Die vielen Missbrauchsopfer von Geistlichen müssen ihr Recht jedenfalls weiterhin einfach-gesetzlich geltend machen, da war kein Ruf nach einer Verfassungsbestimmung zu vernehmen.

Die katholische Kirche hätte viel zu tun, um gesellschaftliche Werte wie Toleranz und Hilfsbereitschaft zu fördern. Papst Franziskus fordert dies in klaren Worten. Doch viele Würdenträger in Europa scheinen eher bemüht zu sein, ihren weltlichen Einfluss auszudehnen. Ob die Ideen des Papstes damit Schritt halten?