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Afghanen trotzten dem Terror

Von WZ Online

Politik

Die Drohungen und der Terror der Taliban konnten Millionen Afghanen nicht von der Wahl eines neuen Präsidenten abschrecken. Die Wahlbeteiligung sei hoch gewesen, und in fast 95 Prozent der Wahlzentren sei der Urnengang ohne Probleme verlaufen, meldete die unabhängige Wahlkommission.


Die Aussage zeigt allerdings, wie prekär es um die Sicherheit im Land bestellt ist: Während der Wahlen kamen mehr als 50 Menschen bei Anschlägen und Gefechten ums Leben. 300.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Als Favorit ging Amtsinhaber Hamid Karzai in die Abstimmung, erste Ergebnisse werden für Samstag erwartet. Die Endergebnisse der Präsidentschafts- und der parallel angesetzten Provinzratswahlen sollen am 17. September vorliegen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte, die Wahlen seien "unter dem Blickwinkel der Sicherheit besser als erwartet" verlaufen. "Wir wussten von vornherein, dass die Feinde Afghanistans versuchen würden, den Weg zu den Wahlen mit einer Reihe von Terrorangriffen zu versperren", sagte Rasmussen während eines Besuchs in Reykjavik (Island).

Beteiligung regional unterschiedlich

Nach Angaben der Wahlkommission konnten mehrere der etwa 6.500 Wahlzentren, auf die die rund 29.000 Wahllokale verteilt waren, wegen der angespannten Sicherheitslage nicht öffnen. Andere Wahlzentren hätten wegen Zwischenfällen vorzeitig geschlossen werden müssen. Die Taliban hatten zum Wahlboykott aufgerufen und Wähler bedroht. Aus Angst vor einer niedrigen Wahlbeteiligung hatte die Regierung die Medien aufgefordert, nicht über Angriffe and Anschläge zu berichten.

Die Beteiligung fiel regional stark unterschiedlich aus. UN-Vertreter sprachen nach Schließung der Stimmlokale am Donnerstag von einer regen Beteiligung im Norden des Landes. Im umkämpften Süden seien weit weniger Menschen zur Wahl gegangen, doch sei deren Zahl nach Abflauen von Angriffen der Taliban angestiegen. Eine geringe Beteiligung im Süden, wo Präsident Hamid Karsai seine Hochburg hat, macht eine Stichwahl zwischen ihm und dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah wahrscheinlicher.

Doch auch im Norden verhinderten Angriffe der Taliban nach Angaben der Behörden zum Teil eine rege Wahlbeteiligung. Im Einsatzgebiet der deutschen Bundeswehr in Kundus hätten wohl nur 50 Prozent ihre Stimme abgegeben, sagte Provinzgouverneur Mohammed Omar zu Spiegel Online. In Kundus und Umgebung seien über 20 Raketen eingeschlagen. Im westlich von Kundus gelegenen Distrikt Chahar Darreh sei nach massiven Drohungen der Extremisten nur ein Wahllokal geöffnet gewesen, in das sich aber kaum Wähler getraut hätten.

(APA / Reuters)

Siehe auchWer ist so irre, wählen zu gehen?

+++ Blutige Wahl im Schatten des Taliban-Terrors