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Agenten-Krimi in der "Zeit im Bild"

Von Stefan Beig

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Agenten, Spitzel und Spione sind bekanntlich ein spannendes Thema - gerade für den Film. Das zwielichtige Spiel aus Täuschung, Tricks und Mord gepaart mit Verfolgungsjagden und Suspense hat fesselnde Kinoklassiker hervorgebracht und wird wohl auch in Zukunft selbst in James-Bond-Manier immer wieder fröhliche Urständ’ feiern. Doch während das Kino selbst verwirrende Spionage-Krimis linear, fesselnd und sogar verständlich zu erzählen weiß, haben es Nachrichtensendungen da schwieriger: Sie müssen dem Zuseher komplexe, nüchterne Sachverhalte vermitteln, selbst wenn diese in bewegten Bildern gar nicht so leicht darstellbar sind.


So kam es auch Donnerstagabend, als in der "ZIB2" über den aufsehenerregenden Mord an einem Hamas-Führer in Dubai berichtet wurde. Das vermeintliche Netzwerk hinter dem Mord - von bis zu 26 beteiligten Mossad-Agenten ist die Rede - wird dem Zuschauer bildlich mit Diagrammen, die komplizierte Personenverbindungen aufzeigen, und Aufnahmen von Überwachungskameras plausibel gemacht. Was diese Bilder eigentlich genau zeigen - man sieht nur anonyme Personen -, bleibt aber unklar. Als Experte wird der nicht unumstrittene deutsche Journalist Wilhelm Dietl herangezogen.

Im Ganzen: Ein spannender, sachlicher, aber nur bedingt erhellender Beitrag, bei dem die meisten Fragen offen bleiben. Das ist nicht ein Fehler der ORF-Redaktion, wohl aber zeigt sich bei näherer Betrachtung, wie leicht manipulierbar wir durch das scheinbar so authentische Nachrichtenfernsehen sind: Mit Bildern, Informationen und Personen, die der Zuseher nicht kennt, lässt sich trefflich jonglieren, und mit Wort, Ton und Bild allerlei suggerieren.