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Agrarier stellen sich Wettbewerb

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Neue Strategien sollen Zukunft der Landwirte absichern. | Berlakovich: Kritik der Arbeiterkammer an Einheitswerten ist "Klassenkampf". | Wien. Österreichs Landwirte werden sich künftig stärker im Wettbewerb behaupten müssen: Die Budgets werden EU-weit und national knapper, die Verteilungskämpfe heftiger und obendrein führt die Spekulation mit Agrarrohstoffen zu unberechenbaren Preisschwankungen.


Die im Vergleich höchst kleinteilig strukturierte heimische Landwirtschaft scheint dabei noch zusätzlich benachteiligt. Viele Bauern haben ihre Höfe bereits aufgegeben; das Bild des klassischen Familienbetriebs ist überholt. Dennoch sei es gelungen, die junge Generation im Beruf zu halten, betont Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich: Österreich habe europaweit den zweitgrößten Anteil von Bauern unter 35 Jahren.

Für die nächsten 10 Jahre möchte Berlakovich die heimischen Landwirte mit einem Masterplan unterstützen. Der Startschuss erfolgte am Freitag. Bis Herbst werden die acht Arbeitsgruppen (siehe Kasten) erste Ergebnisse vorlegen. Der Abschluss werde bis Ende 2011 erfolgen, hieß es.

Exporte und Biomasse

Als konkretes Ziel soll bis 2020 der Anteil der Lebensmittel an den Gesamtexporten von 7 auf 14 Prozent verdoppelt werden. Die Biomasseproduktion soll im selben Zeitraum um 50 Petajoule zulegen - das entspricht dem Energiebedarf von Vorarlberg.

Berlakovich will dabei "so viel Markt wie möglich, so viel Stützung wie nötig". Finanziell werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen: In Österreich bedeute die Budgetvorgabe für 2011 bis 2014 Einsparungen im Ressort von 120 Millionen Euro. Und auch bei der EU-Agrarpolitik (GAP) stünden die Weichen auf Kürzung. Am Montag gibt in Brüssel der rumänische EU-Kommissar Dacian Ciolos den Startschuss für die Verhandlungen zur nächsten GAP-Periode.

Die Kritik von Arbeiterkammer und Gewerkschaft, die heimischen Bauern seien Steuerflüchtlinge, weist Berlakovich strikt als "Klassenkampf" zurück: Das System der Einheitswerte und die darauf basierende Pauschalierung von Steuern und Abgaben sichere gerade kleinen Bauern eine Zukunft. Große Agrarbetriebe seien ohnehin buchführungspflichtig.

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Wissen

Den Masterplan "Unternehmen Landwirtschaft 2020" sollen acht Arbeitsgruppen erarbeiten:

Zukunft EU-Agrarpolitik (Leitung: Edith Klauser, Lebensministerium)

* Ländliche Entwicklung 2014 bis 2020 (Rupert Lindner, Lebensministerium)

* Businessplan, Bildungsplan (Friedrich Pernkopf, Landwirtschaftskammer LK Oberösterreich)

* Sichere Lebensmittel (Stephan Mikinovic, AMA Marketing)

* Qualitätspartnerschaft und Wertschöpfung

(Leitung: August Astl, LK Österreich; Michael Blass, FV Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer)

* Verwaltungsverein fachung (Günter Griesmayr, Agrarmarkt Austria)

* Neue Produktionsfelder und Chancen (Hermann Schultes, Landwirtschaftskammer Niederösterreich)

*Ideenwerkstatt

Zukunftsfeld Bauernhof** (Reinhard Mang, Lebensministerium)