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Ägypten: Festnahmen nach Anschlag

Von WZ Online

Politik

Kairo. Nach dem tödlichen Anschlag gegen Ausländer auf einem belebten Touristenbasar in Kairo haben die Behörden fünf Verdächtige festgenommen. Zu der Bluttat vom Sonntagabend, dem ersten Übergriff auf Urlauber in Ägypten seit rund drei Jahren, bekannte sich auch am Montag vorerst niemand. Der selbst gebaute Sprengsatz riss eine 17 Jahre alte Französin in den Tod, mindestens 24 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Entgegen ersten Meldungen sind keine Österreicher unter den Opfern.


Bei den Verhafteten handelt es sich um ägyptische Staatsbürger, die sich alle zur fraglichen Zeit am Tatort aufgehalten hätten, verlautete aus Polizeikreisen am Montag. Zwei der Festgenommenen seien Frauen, die voll verschleiert gewesen seien.

Die meisten Verletzten, Jugendliche aus einem Vorort von Paris, waren auf einem Schulausflug in Kairo, wie der Bürgermeister ihrer Heimatstadt, Patrick Balkany, mitteilte. Der französische Premierminister François Fillon sprach von einem abscheulichen Anschlag: "Es gibt Menschen, die Ägypten destabilisieren wollen." Staatspräsident Nicolas Sarkozy sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Er sei zuversichtlich, dass die ägyptischen Behörden die Hintergründe "dieser Tragödie" aufklärten.

Nach Regierungsangaben detonierte auf dem Hauptplatz des Basars Khan el-Khalili eine Bombe, die direkt vor einem Café nahe der Hussein-Moschee unter einer Bank deponiert war. Die Wucht der Explosion ließ Steine und Marmor durch die Luft fliegen. Unter den Passanten brach Panik aus. Die Polizei entdeckte später noch einen zweiten Sprengsatz und brachte ihn kontrolliert zur Explosion.

Der ägyptische Jurist Montasser al-Sajat, der schon Extremisten vor Gericht vertreten hat, äußerte die Vermutung, dass ein Zusammenhang zur jüngsten israelischen Offensive im Gazastreifen bestehen könnte. Der selbst gebaute Sprengsatz deute auf unerfahrene Amateure hin, die ihrem Ärger Luft machen wollten. Ägypten ist von islamistischen Kreisen wegen mangelnder Unterstützung für die Hamas während der Militäraktion scharf kritisiert worden.

Da der Fremdenverkehr eine der Haupteinnahmequellen Ägypten ist, haben islamische Fundamentalisten schon mehrfach versucht, diesen Nerv zu treffen. Der Groß-Imam der einflussreichen Al-Ashar-Universität in Kairo, Mohammed Sajjed Tantawi, nannte den Anschlag feige und kriminell. Die Täter hätten ihre Religion und ihr Land verraten und verzerrten das Bild des Islams.

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verurteilte den Anschlag ebenfalls aufs Schärfste. "Es kann keine Rechtfertigung für diesen feigen und sinnlosen Anschlag geben", erklärte er am Montag in Brüssel. "Die NATO wird im Kampf gegen die Geißel des Terrorismus weiter mit Ägypten zusammenarbeiten."

Der 650 Jahre alte Basar Khan el-Khalili ist in einem historischen Viertel von Kairo gelegen und erfreut sich bei Touristen wie Einheimischen großer Beliebtheit. Dort werden vor allem Souvenirs und Schmuck verkauft. Die Polizei riegelte die Gegend ab und evakuierte auch die Hussein-Moschee. Sprengstoffhunde suchten den Bezirk ab.

Im April 2005 war der Basar schon einmal Ziel eines Bombenanschlags. Damals wurden zwei französische und ein US-Bürger getötet. 1997 zielten Extremisten auf Touristen in Luxor, wo mehr als 60 Menschen ums Leben kamen. Einer Serie von Anschlägen auf der Sinai-Insel fielen zwischen 2004 und 2006 rund 120 Menschen zum Opfer. (APA/AP/Reuters)