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Aids 2010: "Es gibt Hoffnung"

Von Nina Flori

Wissen
Gratis Umarmungen wurden den internationalen Experten vor der Messe Wien am Dienstag angeboten. Foto: flor

25.000 Besucher nehmen an der 18. internationalen Konferenz teil. | Rund 1000 Vorträge anberaumt. | Organisation dauerte zwei Jahre. | Wien. Schon in der U2 in Richtung Messe Wien fahrend, erkennt man die zahlreichen internationalen Kongress-Teilnehmer leicht an ihren roten "Aids 2010" - Taschen. 25.000 Besucher aus aller Welt nehmen in dieser Woche an der 18. internationalen Aids-Konferenz in Wien teil.


"Die meisten der Besucher sind Experten aus der Wissenschaft, Mediziner, die HIV-Infizierte oder Aids-Kranke behandeln und Vertreter von Pharmafirmen", erklärt die Chefin des lokalen Sekretariats der Aids-2010 Konferenz, Mariana Grandits der "Wiener Zeitung". Bei der Konferenz seien außerdem zahlreiche Non Governmental Organisationen sowie internationale Organisationen wie die UN oder EU vertreten. "Eine für uns ganz besonders wichtige Gruppe stellen aber vor allem Betroffene selbst dar", betont Grandits.

Von 18. bis 23. Juli werden weltweites Fachwissen und Erfahrungen zum Thema Aids mit Hilfe von rund 1000 Vorträgen ausgetauscht. Über zwei Jahre hindurch wurde das Konferenzprogramm von einem 30-köpfigen Experten-Komitee und zahlreichen Unterkomitees erarbeitet. Allein in der HalleC der Messe Wien finden täglich 20 bis 25 Veranstaltungen mit rund 1000 Teilnehmern zeitgleich statt. "10.000 Besucher können zudem täglich an den Veranstaltungen im Plenarsaal in Halle D teilnehmen, wo bereits Bill Clinton und Bill Gates am Montag Reden hielten", erklärt Grandits.

250 bis 700 Euro Eintritt

Die Höhe der zu zahlenden Kongressgebühr hängt von der Finanzkraft des Herkunftlandes und dem Zeitpunkt der Anmeldung ab und liegt zwischen 250 und 700 Euro. Das "Global Village" in der Halle A ist jedoch auch für Besucher ohne Kongress-Akkreditierung frei zugänglich. Dort werden dem Gast neben einem vielfältigen musikalischen Programm zahlreiche Diskussionsveranstaltungen und umfassende Informationen zum Thema Aids geboten. "Es ist sehr wichtig, dass so viele Menschen gekommen sind, denn es gibt eine Menge zu tun", sagt eine niederländische Vertreterin von "Universal Access to female Condom". Anhand einer Plastik-Vagina demonstriert sie den Besuchern die Anwendung von Kondomen für Frauen.

"Wir müssen dafür sorgen, dass sich Frauen eigenständig vor Aids schützen können", betont sie.

"Ich nehme immer an den Aids-Konferenzen teil, um mich auf dem neuesten Stand zu halten", erklärt der nigerianische Arzt, Daniel Ottoh, der zwischen zwei Vorträgen durch das Global Village flaniert. Mehr als drei Prozent der rund 130 Millionen Einwohner Nigerias sind vom Aids-Virus betroffen. Vor allem finanzielle Mittel seien für sein Land von besonderer Wichtigkeit, sagt er.

Um Gelder für den Kampf gegen Aids zu sammeln, verkauft Albert Githinji aus Kenia von der "Ark Foundation" - eine Hilfsorganisation für Frauen und Kinder - im Global Village Handgemachtes aus Afrika. "Es gibt eine Botschaft, es gibt Hoffnung. Wichtig ist aber vor allem Geld", betont auch er. Denn nur fünf Millionen Menschen jener 15 Millionen, die eine HIV--Behandlung benötigen - so die bei der Konferenz präsentierten Zahlen - haben Zugang zu lebensrettenden Medikamenten. 60 Prozent der Betroffenen wissen zudem nicht einmal über ihre HIV-Infektion Bescheid.

Für mehr Engagement

Sich finanziell nicht ausreichend am Kampf gegen Aids zu beteiligen, wurde Österreich am Dienstag von der Sängerin und Aids-Aktivistin Annie Lennox vorgeworfen: "Es wäre von extremer Bedeutung, dass die österreichische Regierung die Situation erkennt und zum Global Fund beiträgt".

Obwohl aus dem Aids-Kongress 2010 rund 45 Millionen Euro an Umwegrentabilität lukriert würden, habe der Gastgeber lediglich im Jahr 2002 einmalig eine Million Euro in den Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria eingezahlt. Lennox, die am Dienstagabend einen großen Menschenrechtsmarsch über die Wiener Ringstraße auf den Heldenplatz begleitet hat und auch ein Konzert gab, verlangte generell mehr Engagement der Zivilgesellschaft.