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Akademie hat "Zeichen verstanden"

Von Heiner Boberski

Wissen

Reformprozess ist notwendig und soll rasch erfolgen. | Besonderer Akzent für junge Forscher. | Wien. Peter Schuster, Professor für Theoretische Chemie an der Uni Wien, wird mit 1. Oktober Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Akademie bekam vor einigen Monaten die Rute ins Fenster gestellt: Der Rat für Forschung und Technologie (RFT) gab nur 20 Prozent der Mittel frei, 80 Prozent wurden einbehalten, um an der Akademie einen Reformprozess in Gang zu setzen. Dass es einen "Reformstau" gab, bestreitet Schuster nicht, doch man habe "das Zeichen verstanden" und sei bestrebt, rasch Reformen umzusetzen.


Dass die Statuten der Akademie, die auf ein kaiserliches Patent aus dem 19. Jahrhundert zurückgehen, erneuert gehören, ist Schuster klar, er betont aber: "Die Akademie hat sich sehr gut entwickelt. Es gibt viele hervorragende neue Institute, an ihnen arbeiten beispielsweise Anton Zeilinger, Peter Zoller, Josef Penninger oder in Linz Heinz Engl. Die Akademie hat alle diese Neugründungen sehr gut durchgeführt, aber ihre inneren Strukturen entsprechen nicht denen einer modernen Forschungsträgerorganisation. Am Ende des notwendigen Reformprozesses muss eine moderne Forschungsträgerorganisation stehen."

Geht es nach Schuster, soll die Akademie aber nicht nur reine Forschungsträgerorganisation wie die ihr ähnliche deutsche Max Planck-Gesellschaft (MPG) sein: "Ich glaube, dass für ein kleines Land wie Österreich die Vereinigung von Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgerorganisation eine sehr vernünftige Lösung ist, die möchte ich aufrecht erhalten.

Ein wesentlicher Punkt der Reform ist das Etablieren eines Forschungskuratoriums. Der vorliegende Entwurf, den auch der RFT gut geheißen habe, sei aber, so Schuster, noch nicht die wirkliche gesetzeskonforme Implementierung. Man sei bestrebt, die gesetzliche Seite der Änderungen gering zu halten, doch mit der Einrichtung des Forschungskuratoriums seien Änderungen in der Geschäftsordnung und in Konsequenz wohl auch in der Satzung der Akademie und im Akademiegesetz nötig.

Schuster will das Thema möglichst in seiner dreijährigen Amtsperiode erledigen: "Nach der Reform soll eine Situation geschaffen sein, die wieder dauerhaft ist. Ich möchte vermeiden, was an den Universitäten passiert ist. Ich bin 1973 hierher an diese Universität berufen worden, 1975 erfolgte die erste Umorganisation, und wir sind heute noch nicht fertig. Das schwebt mir für die Akademie nicht vor."

Mit Fingerspitzengefühl

Inhaltliche Schwerpunktverlagerungen gebe es in der Akademie bereits seit Jahren: "Die Akademie hat vor allem in den Biowissenschaften zusätzlich investiert, Institute gegründet, die die Brücke zur Medizin schaffen, eines, das wie ich hoffe in nächster Zeit errichtet wird, nennt sich Zentrum für molekulare Medizin, am Gelände des AKH. Auch in den Geisteswissenschaften befassen sich neue Institute mit ganz aktuellen Problemen. Eines davon ist die Demographie, das Institut für Iranistik ist in der Auseinandersetzung mit dem Thema Islam ganz wichtig geworden. Die Europäisierung des Schadenersatzrechtes klingt nach einem Randthema, ist aber eine ganz aktuelle juridische Problemstellung. Die Akademie soll sich aus meiner Sicht so entwickeln, dass ältere Strukturen, die nicht mehr zeitgemäß sind, aufgelöst werden und neue etabliert werden. Dabei muss man mit Fingerspitzengefühl vorgehen."

Schuster verweist darauf, dass die Akademie als erste Einrichtung in Österreich Evaluation vorgeschrieben hat: "Was man bei Evaluierung noch braucht, ist stärkere Internationalität. Bisher war man mehr auf den deutschsprachigen Raum konzentriert."

Sein Programm umschreibt Schuster mit "Kontinuität und Neubeginn". Er will einige besondere Akzente setzen. Neben der Implementierung des Reformprozesses sind ihm Signale an Jungwissenschafter ein großes Anliegen, etwa in Form einer "jungen Klasse, die beispielsweise junge Träger von Auszeichnungen befristet in die Akademie aufnimmt". Schuster will sich auch für mehr Stipendien an Doktoranden und Post-docs einsetzen.

Außerdem beklagt der die "Nichtexistenz der Förderung junger Leute zwischen Ende der Post-doc-Tätigkeit und Dauerberufung an eine Universität". Sieben seiner Studierenden seien in dieser Zeit an namhafte Unis in den USA gegangen. Das sei ein Verlust für Österreich und Europa. Akademieinstitute wären gut geeignet, Forscher in dieser Phase aufzunehmen.

Die Akademie werde ein bisschen wachsen, aber sie solle keine Rieseninstitution werden. 1100 Personen sind derzeit für sie tätig, "für Österreich eine sinnvolle Größe".

Das Budget liegt jetzt bei fast 80 Millionen Euro pro Jahr: "Wichtig ist, dass die Teile, die jetzt immer beim Rat für Forschung und Technologie zu bewilligen sind, ins ordentliche Budget kommen. Die Grundfinanzierung muss gesichert sein. Mitarbeiter werben dann noch Projektmittel an und verdoppeln und verdreifachen ihr Budget."

Die Aktivitäten an Schulen hätten sich gut entwickelt sollen ausgebaut werden, um "junge Leute für Naturwissenschaften zu begeistern".

Dass der Physiker Anton Zeilinger, der sich mit Schuster nach der Standortwahl Gugging für die "Elite-Uni" von diesem Projekt zurückzog, wieder daran Gefallen gefunden hat, versteht Peter Schuster: "Mit Ausnahme des Standortes wird nun aufgrund des Berichtes der drei internationalen Experten mehr oder weniger eins zu eins umgesetzt, was wir zu Papier gebracht haben."