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Aktienmarkt ohne Saft und Kraft

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Der österreichische Aktienmarkt kommt aus seinem Sommerloch nicht heraus - was angesichts des sehr negativen internationalen Börsenumfeldes und der Konjunkturflaute auch nicht verwundert. Außerdem agierten die Investoren im Vorfeld der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag sehr zurückhaltend.


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Die negative Vorgaben kamen diesmal vor allem aus den USA und von der New Yorker Börse. In den Vereinigten Staaten ist das Konsumentenvertrauen zurückgegangen, was große Besorgnis ausgelöst hat. Die schlechten Konjunkturdaten in den USA lassen auch für Europa Befürchtungen aufkommen, daß eine Korrektur der Wachstumsprognosen für den Euro-Raum notwendig wird. Eine Schockwelle ausgelöst hat auch die schwache Verfassung der New Yorker Börse, der die wichtigsten Börsen rund um den Globus gefolgt sind. Die Unternehmenszahlen für das erste Halbjahr und die Aussichten für den Rest des Jahres geben auch nicht gerade Anlaß zu Optimismus. Nach wie vor werden von den amerikanischen und europäischen Unternehmen Umsatz- und Ergebniswarnungen ausgegeben. Österreich ist dabei keine Ausnahme. Auch die heimischen Unternehmen haben mit den verschärften Wirtschafts- und Wettbewerbsbedingungen hart zu kämpfen, was auch in den Halbjahresberichten deutlich zum Ausdruck kommt.

Vor dem Hintergrund des äußerst schwierigen Umfeldes zeigen die Anleger wenig Lust für Engagements in Aktien. Dies kommt auch in den deutlich unterdurchschnittlichen Tagesumsätzen entsprechend zum Ausdruck. Umsatzleader war weiterhin Telekom Austria mit einem Anteil von gut einem Viertel an den Gesamtumsätzen. Lebhaft gehandelt wurde der Immobilienwert Immofinanz, der auf einen Umsatzanteil von 15% kam. Höhere Umsätze verzeichneten weiters Wienerberger, Austrian Airlines und Andritz.

Der Blue Chip Index ATX ist zwar nach schwachem Wochenbeginn in der Folge etwa auf das Niveau vom Vorwochenschluß (1.209,36 Punkte) wieder angestiegen. Bis Freitag sackte er zeitweise unter die 1.200-Punkte-Marke, konnte diese psychologisch wichtige Marke bis zum Schluß jedoch wieder erreichen. Der ATX ging mit 1.200,13 Zählern aus dem Markt, was gegenüber dem Vorwochenschluß einen Rückgang um 0,76% bedeutet. Der WBI als Indikator für den Gesamtmarkt schwächte sich um 0,43% auf 488,63 Punkte ab. Trotz des neuerlichen Rückgangs hat sich die Wiener Börse aber weit besser präsentiert als der Rest der Welt. Der ViDX mit den wachstums- und technologieorientierten Werten der Wiener Börse verlor 2,56% und damit weit weniger als der Neue Markt sowie die Nasdaq in Europa und in den USA. Auf den ViDX gedrückt haben insbesondere CyberTron, Feratel, Hirsch Servo, Performance AG und Telekom Austria.

Im ATX-Markt gerieten CyberTron gewaltig unter Druck und sackten um mehr als ein Drittel ab, obwohl für das erste Halbjahr deutlich geringere Verlustzahlen als im Vorjahr ausgewiesen wurden. Schwach waren in der Berichtswoche auch Libro (-6,6%), Telekom Austria und Wienerberger. Zu den wenigen Gewinnern zählten neben BETandWIN.com (+6,8%) überraschend auch VA Tech (+4,1%) und Austrian Airlines (+3,6%).

Im Specialist Market sind die Aktien der BlueBull um über 45% abgestürzt. Grund dafür war, daß YLine 900.000 BlueBull-Aktien zwecks Tilgung einer Forderung von IBM auf ein Treuhanddepot eingeliefert hat. Dadurch scheint ein Verkauf der Aktien an den US-Fonds Navigator gefährdet. Die in der Vorwoche kräftig gestiegenen Feratel haben mit minus 8% wieder Boden verloren. Weitere acht Aktien verloren zwischen 4,7% und 8%.

Bei den im C-Markt notierten Small Caps war das Kursbild ausgeglichen. Den festeren ATB (+10,6%) sowie Stadlauer, Agra Tagger und Grass, die jeweils um mehr als 9% angestiegen sind, standen die schwachen UBM Real Stamm (-11,6%), Mautner Markhof (-7,3%) und Miba (-5,2%) gegenüber.

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift bankundbörse