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"Aktivitätslevel sinkt generell"

Von Christian Rösner

Wirtschaft
Laut Norbert Kettner ist es nicht nur die Kältewelle, die den Tourismus bremst.
© © www.peterrigaud.com

Wien-Tourismus-Direktor Norbert Kettner zur Wintersaison in der Stadt.


"Wiener Zeitung":Seit dem Ende des Silvesterpfades schaut es mit touristischen Aktivitäten in Wien recht dürftig aus. Auch auf den Straßen scheinen sich nur wenige Touristen herumzutreiben. Ist der Grund dafür die Kältewelle?Norbert Kettner: Bei einer Kältewelle sinkt der Aktivitätslevel generell, das ist keine Frage. Es gibt an und für sich nach unseren Weihnachten noch ein Highlight, das sind die russischen Weihnachten um den 6., 7., Jänner herum - bis dahin ist die Stadt eigentlich noch recht voll. Aber generell sind die Monate Jänner und Februar im europäischen Städtetourismus schwächere Monate.

Hat sich das in den vergangenen Jahren verstärkt - Stichwort Finanzkrise?

Nein, im Gegenteil - zwischen 1997 und 2011 hatten wir bei den Gesamtnächtigungen ein Plus von 50 Prozent. Jänner, Februar herausgenommen sogar ein Plus von 80 Prozent. Also schon immer noch schwach, aber doch eine deutliche Aufholjagd.



Wie sieht das europaweit aus?

In Wien und auch in allen anderen Städten braucht man im Jänner und im Februar einen Anlass, um in der Stadt Urlaub zu machen. In Wien gibt es zu wenig davon - wir haben keine Berlinale, wir haben keine Fashion-Week wie in Berlin, auch in Kopenhagen gibt es eine Modewoche. Ein wichtiges Kommunikationsthema ist bei uns aber auf alle Fälle die Ballsaison. Da muss man aber auch ganz nüchtern dazu sagen, dass es zwar ein großes Image-Thema ist, aber mit der Verfügbarkeit der Tickets werden wir hier nicht die großen Menschenmassen nach Wien schaffen. Auch wenn jetzt um den Opernball herum alles voll ist.



Nur um den Opernball herum?

Nein, Philharmonikerball und andere ziehen natürlich auch an, aber es ist überschaubar, wie viele Touristen einen Ball besuchen, beziehungsweise wie viele Tickets eben verfügbar sind.

Warum denkt man sich nicht für Jänner und Februar etwas Besonderes aus?

Das ist nicht unser Job. Also, wenn etwas Besonderes stattfände, dann hätten wir große Freude daran, es mitzupromoten. Aber es macht keinen Sinn, in einer Zeit, in der die Menschen per se in keine Stadt reisen, das über Gebühr mit Marketing zu belegen.

Und wenn es wärmer wäre?

Die Kälte spielt da eigentlich keine große Rolle, weil es in Wien jede Menge Indoor-Möglichkeiten gibt. Das ist wie mit dem Thema Regen im Sommer: Das trifft die Kollegen in den Bundesländern sehr, aber bei uns ist das ein untergeordnetes Thema. Deswegen sind die Monate Jänner und Februar für die Wiener Hotellerie zum Beispiel eine gute Zeit, um mit Sonderaktionen Gäste nach Wien zu holen - also nicht automatisch mit dem Preis einzuknicken, sondern etwas Zusätzliches anzubieten.

Wie viele Nächtigungen gab es im Jänner und Februar 2011 im Vergleich zu Juli und August?

2011 hatten wir Jänner/Februar 1,13 Millionen Nächtigungen, und Juli/August waren es zirka 2,34 Millionen. Aber wie schon gesagt: Im Vergleich zu 1997 ist das eine Steigerung von 50 beziehungsweise 80 Prozent.