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Akut bedroht

Von Alexandra Grass

Wissen
Dem Amsterdam Albatros geht es an den Kragen. Wikipedia

Forscher nennen 15 Tierarten, die es voraussichtlich schon bald nicht mehr geben wird.


Wien/Odense. Tropische Taschenratten, Amsterdam Albatrosse und bestimmte Froscharten gehören zu jenen 15 Tierarten, die am meisten vom Aussterben bedroht sind. Fachkenntnis und das nötige Kleingeld seien erforderlich, um diese Tiere und andere massiv bedrohte Arten zu schützen, berichten Forscher um Dalia A. Conde vom Max-Planck Odense Center der University of Southern Denmark im Fachblatt "Current Biology".

Verantwortlich für die Reduktion der Tierpopulationen seien die Stadterweiterungen, politische Instabilität innerhalb der Lebensräume sowie die hohen Kosten für den Artenschutz.

Ein Teil der vom Aussterben Bedrohten - in diesem Fall sind es insgesamt 841 Spezies - könnte mit einer jährlichen Unterstützung von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro vor der Auslöschung gerettet werden. Mit dem Geld könnte der Lebensraum der Tiere geschützt beziehungsweise wieder aufgebaut werden. Für die in der Studie genannten 15 Arten stünden die Chancen allerdings besonders schlecht.

Darunter befindet sich neben der tropischen Taschenratte auch eine Kletterratte aus Mexiko (Tylomys bullaris) sowie eine Mausart aus Kamerun (Lophuromys eisentrauti.

Problemfaktor Urbanisierung

Bei den Amphibien sind es vorwiegend Froscharten, denen laut Forschern nur noch ein kurzes Leben beschieden ist. In Brasilien zählen der Santa Cruz Zwergfrosch sowie der Campo Grande Baumfrosch zu den stark bedrohten Spezies. Auch dem Zorro Blasennestfrosch aus Sri Lanka werde nach und nach der Lebensraum entzogen.

Seinem Schicksal folgen der brasilianische Frosch Perereca Bokermannohyla izecksohni, die türkische Salamanderart Lyciasalamandra billae sowie der kolumbianische Frosch Allobates junaii.

Im Reich der Vögel nennen die Forscher die Ashlerche, den Tahiti Monarch, den Madeira-Sturmvogel, den Maskarenen-Sturmvogel, den Wilkinsammerfink sowie den Amsterdam Albatros.

Die Chancen für jene Arten hängen nicht zuletzt von Möglichkeiten ab, die verbleibenden Lebensräume, die auf einzelne Standorte beschränkt sind, zu schützen, betonen die Wissenschafter. Ausschlaggebende Faktoren dafür seien allerdings die Kosten, die politische Stabilität und wahrscheinlich die Urbanisierung. Des Weiteren bestünde die Möglichkeit, den zu schützenden Arten in Zoos Platz einzuräumen. Hier zählen die Faktoren Kosten und Kenntnisse über die Züchtung.

Gefahr Tigerpython

Aber auch größeren Säugetieren geht es an den Kragen. So gefährden etwa eingeschleppte Tigerpythons die Bewohner im Everglades-Nationalpark von Florida. Um das nachzuvollziehen, hat ein Team um Robert A. McCleery von der University of Florida in Gainesville 26 Marschkaninchen mit Peilsendern ausgestattet.

Meldete der Sensor per Funk den Tod eines Tieres, orteten die Wissenschafter dieses per GPS und analysierten die Überreste. Daraus konnten sie ablesen, ob Raubtiere oder Vögel das Kaninchen getötet hatten. Reptilien hingegen verschlingen Kaninchen mit Haut und Haaren.

Etwa drei Viertel der innerhalb eines knappen Jahres getöteten Kaninchen seien Opfer der asiatischen Würgeschlangen, berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society. In einem Kontrollgebiet in der Nähe der Everglades waren die Jäger hingegen zu 71 Prozent andere Säugetiere.

Experten schätzen die Zahl des Dunklen Tigerpythons im Nationalpark auf mehr als 10.000 Exemplare. McCleery und Kollegen halten es für unwahrscheinlich, dass Säugetiere sich wieder in den Everglades vermehren werden, solange die asiatische Würgeschlange dort jagt. "Denn Pythons sind fähig, in einer Umgebung zu bestehen, indem sie sich auf andere Beutetiere umstellen und lange Zeit ohne Nahrung auskommen können."