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AKW können Kohlestrom nicht ersetzen

Von Heinz Högelsberger

Gastkommentare
Heinz Högelsberger hat an der Universität Wien zur Mobilitätswende geforscht.
© privat

Die Atomkraft kann keinen ernsthaften Beitrag zur Energiewende leisten.


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Seit Jahresbeginn beherrschen im Energiebereich zwei Themen die öffentliche Diskussion: Einerseits sollen durch die neue EU-Taxonomieverordnung Atomstrom und Erdgas reingewaschen werden. Andererseits sorgen stark steigende Energiepreise für Empörung und finanzielle Probleme. Beides hängt ursächlich zusammen.

Man kann natürlich die bisherigen Nuklearkatastrophen kleinreden, die ungelöste Atommüllproblematik ignorieren und auf neue bahnbrechende Reaktortechnologien hoffen. Nichtsdestotrotz sollten Atomkraftbefürworter den Taschenrechner zur Hand nehmen und folgende Kalkulation durchführen: Im Jahr 2019 wurden weltweit rund 17.000 Terawattstunden (TWh) an Strom fossil - also aus Gas, Öl oder Kohle - erzeugt. Weitere 2.800 TWh steuerten Atomkraftwerke bei. Wollte man bis 2050 all diesen Strom mit modernen Small Modular Reactors mit jeweils 1.000 Megawatt Leistung produzieren, wie sie nun propagiert werden, würde man etwa 2.360 neue Mini-Reaktoren benötigen. Mit anderen Worten: Pro Monat müssten sieben Meiler fertiggestellt werden. Randnotiz: Knapp vor Weihnachten ging der finnische Reaktor Olkiluoto 3 mehr als 13 Jahre verspätet ans Netz. Daraus wird klar, dass Atomkraft keinen ernsthaften Beitrag zur Energiewende leisten kann. Es besteht die Gefahr, dass viel - hauptsächlich öffentliches - Geld in diese teure Technologie investiert wird. Geld, das an anderer Stelle fehlen wird.

Wie soll nun aber die notwendige Energie erzeugt werden? Es ist eine Binsenweisheit, dass die billigste und sauberste Kilowattstunde jene ist, die nicht benötigt wird. Obwohl Österreich seit drei Jahrzehnten Klimaschutzverpflichtungen hat, ist unser energetischer Endverbrauch jahrelang angestiegen und hat sich nun bei rund 1.100 Petajoule eingependelt. Der fossile Anteil liegt immer noch bei gut zwei Dritteln. Alle Rechenmodelle gehen davon aus, dass Österreich seinen Energieverbrauch halbieren muss, damit das Land klimaneutral mit erneuerbaren Energiequellen versorgt werden kann. Die Versäumnisse der Vergangenheit führen dazu, dass wir immer noch hochgradig von Öl und Gas abhängig sind, wie das die wilden Preissprünge empfindlich spürbar machen. Eine Handvoll Erdölkonzerne und die Opec-Staaten können starken Einfluss auf den Ölpreis nehmen, dem dann auch der Gaspreis folgt. Die Strommarktliberalisierung wiederum hat dazu geführt, dass sich der Tarif nicht nach den Gestehungskosten richtet, sondern nach den Kursausschlägen an den Börsen. Im Endeffekt führt all das zu einer Umverteilung von den Konsumenten zu den Energiekonzernen.

Saubere Energie ist ein knappes Gut, mit dem intelligent umgegangen werden muss. Hohe Einsparpotenziale liegen bei Raumwärme (Stichwort: Isolation) und Verkehr. Es ist eine Verschwendung, 75 Kilo Mensch mittels 1,5 Tonnen Blech und Plastik zu transportieren, wobei die derzeitigen Motoren den Großteil der eingesetzten Energie auch noch in Abwärme umwandeln. Hier gehört den Öffis die Zukunft. Der dafür benötigte Strom ist dezentral zu erzeugen: auf Hausdächern, durch Windräder oder mittels Erdwärme. Gas-, Kohle- oder nuklear betriebene Großanlagen haben ausgedient.