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AKW-Neubau boomt vor allem in Asien

Von Harald Waiglein

Politik

In Indien derzeit die meisten AKW-Baustellen weltweit. | Russland, China wollen noch zulegen. | Wien. 443 Atomkraftwerke sind derzeit weltweit in Betrieb. Die meisten davon, nämlich 104, stehen in den USA. An zweiter Stelle liegt Frankreich mit 59 Reaktoren, an dritter Japan mit 56. Die Anzahl der Atomkraftwerke in einem Land sagt allerdings nur wenig darüber aus, zu wieviel Prozent das betreffende Land seinen Strom aus Atomenergie herstellt (siehe Grafik unten).


Gebaut werden die meisten AKW derzeit in Asien, wobei Indien mit 8 Baustellen an der Spitze liegt, gefolgt von Russland mit 4 und China mit 3. Allerdings handelt es sich dabei nur um tatsächlich bereits im Bau befindliche AKW. Rechnet man noch jene Vorhaben dazu, die bisher angekündigt wurden, verschiebt sich das Verhältnis.

So plant China beispielsweise, in den nächsten 15 Jahren zusätzlich 32 AKW zu bauen, Russland will biszum Jahr 2030 40 zusätzliche Reaktoren in Betrieb nehmen. Allerdings haben die asiatischen Länder derzeit vergleichsweise wenig Atomkraft. In ganz China sind derzeit nur 9 AKW in Betrieb, in Indien 15 kein Wunder also, dass es viele Bauvorhaben gibt.

Im Westen kaum Neues

Im Gegensatz zu Asien gibt es in Europa und den USA bisher kaum Bauvorhaben. Tatsächlich im Bau befindet sich nur ein Reaktor in Finnland. Für einen weiteren in Frankreich gibt es einen Parlamentsbeschluss. Allerdings gibt es in Ländern wie Großbritannien, den USA oder Italien mehr oder weniger klare Aussagen von Politikern, die darauf hindeuten, dass man den Bau neuer AKW zumindest überlegt. Ob es dann tatsächlich dazu kommt, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Einerseits geht es dabei um politischen Widerstand. Italien hat beispielsweise, ähnlich wie Österreich, ein gesetzliches Verbot von Atomkraft. Anders als Österreich hat Italien allerdings früher Atomkraft genutzt. Zwischen 1963 und 1987 verfügte das Land über 4 Reaktoren. Nach der Katastrophe von Chernobyl wurden sie stillgelegt. Bis heute musste der italienische Staat dem Energiekonzern Enel rund 7 Mrd. Euro für die Entsorgung von Altlasten bezahlen.

Auch in den USA und Großbritannien ist mit politischem Widerstand zu rechnen. Beide Länder haben in der Vergangenheit auf eigenem Territorium Atom-Unfälle erlebt: die USA 1979 in Harrisburg, Pennsylvania, die Briten 1957 im Kraftwerk Windscale (dem heutigen Sellafield).

Unabhängig von der Politik ist der Neubau von AKW auch wirtschaftlich fragwürdig. Eine Studie des Massachussetts Institute of Technology kommt zum Schluss, dass neue AKW im liberalisierten Strommarkt nur mit umfangreichen staatlichen Subventionen wettbewerbsfähig sind. Sie sind deutlich teurer als Gaskraftwerke, und sie sind nicht versicherbar.