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Al Kaida droht Marokko und Algerien

Von WZ-Korrespondent Günther Bading

Politik

Null-Toleranz gegenüber Terroristen in Algerien. | Weiterhin höchste Alarmbereitschaft in Marokko. | Rabat/Madrid. "Sie haben nur eine Wahl: sich zu ergeben oder getötet zu werden." Die harten Worte des algerischen Sicherheitschefs Ali Tounsi im französischsprachigen Rundfunk des Landes machen einen Wandel in der Antiterror-Politik deutlich. Die im Februar 2006 eingeleitete Phase der nationalen Versöhnung ist einer Rückkehr zum Prinzip der Null-Toleranz gegenüber den bewaffneten Terroristen der Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf gewichen. Diese stärkste radikalislamische Gruppe in Algerien hat sich im Januar umbenannt in El Kaida des islamischen Maghreb. Sie zieht zunehmend auch Radikale aus anderen Ländern, vor allem Marokko, an sich.


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In Marokko gilt nach wie vor der am 6. Juli verhängte Zustand höchster Alarmbereitschaft für alle Sicherheitskräfte. Spätestens seit der Festnahme von zwei Journalisten der Zeitung "Al Watan" ist der Grund für diese Maßnahme bekannt. Die Zeitung hatte aus einem Geheimdossier der marokkanischen Sicherheitsdienste zitiert und offen gelegt, dass ein Video der Al Kaida des islamischen Maghreb direkte Drohungen gegen Marokkos Regierung und König Mohammed VI. enthält, der als Handlanger der Nordamerikaner bezeichnet wird.

Acht Offiziere in Marokko festgenommen

Neben den Journalisten, die weiter verhört werden, sind auch acht Offiziere, darunter ein Oberst, der Königlichen Armee Marokkos festgenommen worden. Ihnen wird offenbar zur Last gelegt, zusammen mit einem nicht näher benannten Land des Nahen Ostens an einem Komplott zur Destabilisierung des um Demokratisierung und weitere Annäherung an den Westen bemühten Marokkos beteiligt zu sein.

Die Maghreb-Al Kaida hat indessen in einem Kommuniqué die Verschärfung ihres Kampfes gegen "die Feinde Allahs" in den nordafrikanischen Maghreb-Staaten angekündigt. Alle rechtgläubigen Muslims werden aufgefordert, Kasernen, Regierungsgebäude und die Nähe zu Armee- und Polizeieinheiten zu meiden.

In der Vergangenheit habe man auf viele Anschläge nur verzichtet, weil zu viele Rechtgläubige im Wege gestanden hätten. Die Maghreb-Al Kaida hat sich zu einem Anschlag am 11. Juli auf die Kaserne von Lakhdaria bekannt, bei dem zehn Soldaten getötet worden waren. Ebenso zu dem am 11. April, bei dem im Vorort Bab Ezzoura von Algier 30 Menschen getötet und 200 verletzt worden waren. Nach Schätzungen westlicher Geheimdienste hat die Gruppe etwa 500 bis 800 Personen unter Waffen.

Nachdem Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika am 5. Juli in einer Rede vor der Armeeführung einen unnachgiebigen Kampf gegen die Terroristen angesagt hat, begann die algerische Volksarmee vor zwei Wochen mit der Jagd auf die Führung der maghrebinischen Al Kaida. Diese war in Nord-Algerien bei Jakouren, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt, zu einem Treffen zusammengekommen. Rund 60 Radikalislamisten seien in dem unzugänglichen bewaldeten Gebiet umzingelt worden. Die Armee tötete 20 von ihnen, dem Rest scheint die Flucht geglückt zu sein. Durch Landminen auf den Zufahrtswegen hatten die Terroristen versucht, die Armee aufzuhalten.

Auch in Ost-Algerien, in der Kabylei, sucht die Armee nach den Al Kaida-Anhängern, die dort in dem höhlenreichen Gebiet Unterschlupf zu finden hoffen. Im Westen, nahe der marokkanischen Grenze sind am Mittwoch nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Algier zwei Terroristen getötet worden.