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Albertina-Archiv kriegt "Flügel"

Von Werner Grotte

Politik

Dicke Luft herrscht zwischen den beiden großen heimischen Kulturverwaltern, nämlich der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) und der Albertina. Letztere war jahrelang Untermieter in den Tiefen der Hofburg, muss nun aber ausziehen, da die ÖNB den Platz selbst braucht. Großes Rätselraten herrscht über das Wohin, denn die Fertigstellung eines geeigneten Tiefspeichers scheint man in der Albertina bislang verabsäumt zu haben. Und die Beteiligten schweigen kryptisch.


Das augenfälliges Naheverhältnis zwischen Ministerin Gehrer und Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schroeder sorgte in der Wiener Museums-Szene schon in der Vergangenheit für Zündstoff: Wurden doch schon die umstrittenen Umbauten am Albertina-Gebäude auf Gehrers Weisung hin genehmigt, obwohl das Bundesdenkmalamt zweimal Bedenken geäußert hatte. Und auch diesmal dürfte wieder einmal das große Herz der Ministerin gefragt sein, denn es geht um viel Geld: Schroeder hat zwar in den letzten Jahren enorme Summen verbaut, allerdings nicht für die Fertigstellung eines eigenen Tiefspeichers. Weil dieser fehlt, ist das Albertina-Archiv schon seit Mitte der neunziger Jahre im zweiten von drei Untergeschoßen der Nationalbibliothek auf rund zweieinhalbtausend Quadratmeter eingemietet. Mit Ablaufdatum allerdings, das war allen Beteiligten von Anfang an klar.

ÖNB braucht Platz selbst

Die ÖNB braucht nämlich den Platz selbst und stellte der Albertina die Rute in Form einer Räumungsklage ins Fenster: "Wir wachsen ja ständig, unserem Auftrag entsprechend. Deshalb haben wir mit Nachdruck darauf bestehen müssen, dass die Albertina endlich Platz macht", bestätigt Nationalbank-Generaldirektorin Johanna Rachinger. Man habe sich schließlich doch noch auf einen Teilabzug bis Ende Juni und die völlige Räumung bis Mitte 2005 geeinigt.

Was das Problem aber nur für die ÖNB löst. Denn die Geldmittel für den Tiefspeicher-Ausbau wurden von Schroeder bisher auch nicht budgetiert, hört man aus Museumskreisen. Und ist gespannt, wo der Albertina-Direktor mit seinem nicht unbedeutenden Archiv nun geeigneten Unterschlupf finden will. Denn alte Kunstwerke gehören nicht in feuchte Keller, weshalb vergleichbare Museen in der Regel längst mit hochtechnisiertem (und entsprechend teurem) Equipment für die Konservierung ihrer Schätze ausgerüstet sind.

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Eine entsprechende Anfrage der "Wiener Zeitung" wurde seitens der Albertina-Pressedame ohne Kommentar ans Kulturministerium weitergereicht. Dort wiederum wollte ausgerechnet der Presse-Sprecher von Ministerin Gehrer, Ronald Zecha, trotz wiederholter Urgenzen nicht mit der Presse sprechen. Also bleibt die Frage, warum die Albertina zwar einen Soravia-Flügel, aber kein eigenes, funktionierendes Archiv hat, unbeantwortet. Ebenso wie die Lösung der außerbudgetären Finanzierung eines Tiefspeichers oder der sicher auch nicht billigen, aber kurzfristig notwendigen Zwischenlagerung der delogierten Albertina-Bestände. wegro