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"Alea iacta est" am Inn?

Von Walter Hämmerle

Analysen

Was ist los im Heilgen Land Tirol? Seit Monaten fliegen in der ÖVP die Fetzen; der Stern von Landeshauptmann Herwig van Staa, der 2003 die Absolute erobert hat, ist im Sinken; Fritz Dinkhauser, Arbeiterkammer-Chef und selbsternannter Rächer der Enterbten, ruft offen zur Revolution auf, seit er die Kandidatur bei der für 5. Oktober 2008 geplanten Landtagswahl angekündigt hat. Droht der Tiroler ÖVP am Ende das Schicksal ihrer steirischen Kollegen, die sich nach endlosen Intrigen und Affären selbst um den Platz an der Sonne gebracht haben?


Diese Woche scheinen im Machtpoker einige entscheidende Würfel gefallen zu sein. Die Option, dass sich die ÖVP die Nicht-Kandidatur Dinkhausers politisch erkauft, scheint vom Tisch: Van Staa soll die Partei in den Wahlkampf führen. Dinkhauser hatte einen Verzicht angedeutet, falls Innenminister Günther Platter, im Nebenjob auch Obmann des Tiroler AAB, statt van Staa als Landeshauptmann-Kandidat antritt. Teil dieser Variante wäre wohl auch ein Abschied Dinkhausers als AK-Chef gewesen.

Diese Variante ist nun vom Tisch - und mitverantwortlich dafür dürften interne Meinungsumfragen gewesen sein. Denen zufolge würde nämlich der Kleine-Mann-Populist Dinkhauser bei einer Kandidatur vor allem die SPÖ Wähler kosten. Jede zweite potenzielle Dinkhauser-Stimme ginge demnach zu Lasten der Tiroler Roten, 30 Prozent kämen aus dem schwarzen Lager, weitere 20 Prozent von Grünen und Blauen.

Dass dies auch von der SPÖ so gesehen wird, dafür lieferte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ein Indiz, als er diese Woche in der "Tiroler Tageszeitung" erklärte, er werde seinen Parteifreunden die Fortsetzung der Kooperation mit van Staa empfehlen. Übersetzt heißt das, dass Dinkhauser im Fall des Falles bei der Wahl des Landeshauptmanns nicht auf die Stimmen der SPÖ hoffen könnte.

Damit dürften für den streitlustigen AK-Chef härtere Zeiten anbrechen - die Scharmützel um die von Dinkhauser betriebene Abberufung des AK-Direktors dürften dabei nur ein laues Vorspiel sein. Auf Schonung durch die fast allmächtige ÖVP darf er nun nicht länger hoffen. Ein wunder Punkt ist etwa sein eher freihändiger Umgang mit dem PR-Budget der AK. Böse Zungen behaupten, auf diese Weise halte sich Dinkhauser die regionalen Medien gewogen. Angeblich ist ein Bericht des Rechnungshofs zu diesem Thema im Werden.

ÖVP-intern rechnet man nun für die Wahlen mit einem Absturz auf 42 bis 43 Prozent - 2003 schaffte man noch 49,9 Prozent. Platz eins wäre demnach aber nicht in Gefahr - somit bliebe in Tirol alles beim Alten, sprich bei einem ÖVP-Landeshauptmann. Und der unbequeme Dinkhauser wäre seinen Job als AK-Chef auch noch los. Nicht zuletzt deshalb rechnen viele in der ÖVP nach wie vor mit einem Rückzieher des Rebellen im Frühjahr.

Apropos Platter: Zwar strebt der Innenminister recht unverhohlen auf den Landesthron, die Wahlen kommen ihm jedoch zu früh - nach einem schlechten Wahlergebnis lässt sich auch leichter aufbauen.