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Alf und der Ameisenhaufen

Von Francesco Campagner

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Schreckliche Zeiten sind wieder angebrochen. Je näher der Song Contest - auch bekannt unter dem melodischen Namen Grand Prix d'Eurovision de la Chanson - rückt, desto mehr wird man mit Alf Poier konfrontiert. Der Steirer ist unser Mann in Riga, verkündet der ORF seit geraumer Zeit. Und mittlerweile durften wir erfahren, wie leicht es der Kabarettist mit seiner Wortwahl ("musikalischer Holocaust", "geistiges Hiroshima") nimmt, wie sehr sein Aktionismus-Trieb für gewollte Schlagzeilen sorgt und wie einfach die Medienmaschinerie gefüttert werden kann. Während t.A.T.u., das Mädchen-Duo aus Russland, mit dem ewigen "Wir sind Lesben"-Slogan für Skandale und einen erhofften Song Contest-Sieg sorgen will, versucht Poier nicht die Libido, sondern das Über-Ich anzusprechen. Mit seinem Auftreten als Natur-, Künstler-, Austro-Pop-, und Außenseiter-Schützer setzt er alles auf die moralische Sympathie-Karte.

Jüngst zeigten die "Seitenblicke" die Übergabe eines Ameisenhaufens an den Bürgermeister von Riga, ein nicht unbedingt alltägliches Geschenk, das Poier mitbrachte. Und natürlich war der Stadtvater genauso ergriffen wie das Publikum vor den Fernsehgeräten. Während der Lette das Schlimmste wohl bereits überstanden hat, werden wir noch bis Samstag- abend "zugepoiert". Aus allen möglichen Sendungen wird uns der irdische Alf entgegentreten und mit abstrusen Wortmeldungen nerven. Doch wenn es eine Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, dann ist der Spuk am Sonntag vorbei und die poierlose Zeit endlich angebrochen.