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Alle bereit für ihre Nahaufnahme

Von Christina Böck

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Frühling ist’s. Neue Reality-TV-Formate sprießen. Jeden Tag eine neue Meldung. Warum nicht, auch Halbprominente müssen irgendwohin mit ihrer Energie. Nachdem am Mittwoch die vergleichsweise wirklich berühmte Cyndi Lauper eine eigene Dokusoap bekommen hat, ging es am Tag danach wieder eher um den Bodensatz der amerikanischen Zelebrität. Eine Reality-Show mit dem klingenden Namen "Hollywood Exes" kümmert sich um Damen, an die man sich mit Recht nicht mehr erinnern kann: die Exfrauen von Eddie Murphy, Will Smith, Prince und R. Kelly (der wäre eigentlich auch schon abgehalftert genug für eine eigene Soap, vielleicht bekommt er ja ein Spin-Off).

Einen solideren Weg aus dem drohenden Vergessen hat Dagmar Koller gewählt. Nicht dass hier irgendjemand behaupten würde, Dagmar Koller wäre eine Halbprominente! Die Witwe von Helmut Zilk hat am Donnerstag in ihrer bescheidenen Art zu einem Pressegespräch über ihre Zukunft gebeten. Nach legendären, aber showbühnefernen Auftritten, unter anderem mit Grabkerzen, hat sie sich entschlossen, wieder ins Unterhaltungsgeschäft einzusteigen. Mit ihrem neuen Programm hat sie sich dabei nonchalant selbst ins Theater in der Josefstadt eingeladen - das wäre so die Auditoriumsgröße, die ihr vorschwebt. Einen richtigen Coup hat (vielleicht) das Stadttheater Klagenfurt gelandet: Dort wird sie als alternde Stummfilmgröße Norma Desmond in "Sunset Boulevard" zu sehen sein. Das ist couragiert. Und schön antizyklisch. Denn heutzutage würde Norma Desmond wohl auch in einer Reality-Soap landen.