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"Alle Mitarbeiter sind inzwischen zurück"

Wirtschaft

Voestalpine stellt Dienstreisen von und nach China ein. Das Politbüro räumt "Defizite" im Umgang mit dem Virus ein.


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Das Coronavirus hat alle österreichischen Großbetriebe, die eine Präsenz in China haben, in Alarmzustand versetzt - darunter etwa die Voestalpine. Ein Sprecher berichtete der "Wiener Zeitung" am Dienstag von behördlich verhängten Produktionsstopps in mehreren chinesischen Provinzen. Ob auch Werke der Voestalpine davon betroffen sind, wollte er aber nicht sagen. Nur so viel: "Wir halten uns an alle behördlichen Vorgaben." Der Sprecher fügte hinzu: "Alle Mitarbeiter, die nach Europa zurückkehren wollten, sind inzwischen jedenfalls zurück." Dienstreisen von und nach China seien nun eingestellt.

In China verfügt die Voestalpine über gut 3000 Beschäftigte an rund 30 Standorten, davon neun Produktionsstätten (Autozulieferungen, Werkzeugstahl, Weichen etc.). Von seinen rund 13 Milliarden Euro Gesamtumsatz macht der Linzer Konzern rund eine halbe Milliarde Euro im Reich der Mitte.

Auch der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing sieht sich in China derzeit mit vielen Unsicherheiten konfrontiert. Möglicherweise muss das Unternehmen seine Produktion in Nanjing einstellen. Derzeit sei das Werk noch mit rund 80 Prozent der Leistung in Betrieb. Es gebe jedoch viele Unsicherheiten, die jederzeit zu einem erzwungenen Abschalten der Linien führen könnten, sagte ein Sprecher zur Austria Presse Agentur.

Nanjing ist etwa 500 Kilometer von der Stadt Wuhan entfernt, in der der Ausbruch des Coronavirus seinen Ursprung hatte.

Die wirtschaftlichenKosten steigen

Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der neuartigen Lungenkrankheit wächst weltweit. Zahlreiche Airlines fliegen nicht mehr nach China, die Bänder von VW und BMW im Land stehen still, Apple schließt in China temporär seine Geschäfte: "Mit der weiteren Ausbreitung des Coronavirus innerhalb Chinas und darüber hinaus in Asien werden auch die wirtschaftlichen Kosten zunehmen", erklärte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit Sitz in Berlin.

Zwar lassen sich die konjunkturellen Folgen nach Ansicht von Ökonomen derzeit nicht beziffern. Doch dürften sie heftiger ausfallen als bei der Infektionskrankheit Sars vor 17 Jahren, die ebenfalls in China ausgebrochen war. Sars habe China damals etwa ein Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gekostet.

Peking kämpft mit drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. In der Krisenregion in Zentralchina sind 45 Millionen Menschen in mehreren Städten von der Außenwelt abgeschnitten, indem die Verkehrsverbindungen gekappt wurden. Auch andere Städte in der Volksrepublik haben Überlandverbindungen mit Bussen ausgesetzt sowie die Zahl der Flüge und Züge reduziert.

Virus trifft die Weltwirtschaftin einer Schwächephase

Das Virus trifft die chinesische Wirtschaft - wie auch die Weltwirtschaft insgesamt - ausgerechnet in einer Schwächephase. "Je länger der Ausnahmezustand - sprich: das Reiseverbot in China - anhält und je weiter sich das Virus ausbreitet, desto gravierender werden die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sein", analysieren Volkswirte der Commerzbank.

Chinas Führung hat indes "Unzulänglichkeiten und Defizite" in der Reaktion auf den Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit eingeräumt. Nach einem Treffen unter Vorsitz von Staats- und Parteichef Xi Jinping ließ das Politbüro nach Angaben des Staatsfernsehens vom Dienstag mitteilen: "Wir müssen die Erfahrungen zusammenfassen und Lehren daraus ziehen."

Das nationale Krisenmanagement müsse verbessert werden. Das Gesundheitssystem solle auf den Prüfstand kommen - und "Mängel" müssten beseitigt werden.

Über Nacht stieg die Zahl der bestätigten Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus in China erneut sprunghaft. Wie die chinesische Gesundheitsbehörde mitteilte, gab es bis Dienstag 20.438 bestätigte Erkrankungen, das sind 3225 neue Fälle im Vergleich zum Vortag.

Die Zahl der Todesopfer stieg demnach um 64 auf 425. Es war erneut der bisher stärkste Anstieg der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und der Todesfälle innerhalb eines Tages.

In Hongkong gab es mittlerweile den zweiten Toten außerhalb Festland-Chinas. Die Krankenhausbehörde bestätigte den Tod eines 39-Jährigen. Wie die "South China Morning Post" berichtete, hatte der Mann die schwer vom Virus betroffene Stadt Wuhan in Zentralchina besucht. Zuvor war auch ein Patient auf den Philippinen gestorben. Weltweit sind rund 200 Infektionen in rund zwei Dutzend Ländern bestätigt.

Die Sterblichkeitsrate der Lungenkrankheit in China liegt im Schnitt bei 2,1 Prozent. Das bedeutet, dass rund jeder 50. nachweislich Erkrankte an dem Virus stirbt. In der schwer betroffenen Metropole Wuhan erreicht die Mortalität allerdings 4,9 Prozent, wie Jiao Yahui von der Gesundheitskommission berichtete. In der gesamten Provinz Hubei, dessen Hauptstadt Wuhan ist, sind es demnach 3,1 Prozent.(kle/vasa)