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Allerslev, vom Studentenheim ins Rathaus

Von Alexander U. Mathé

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Anna Mee Allerslevs Wahlvideo war ein Renner. Foto: youtube

Anna Mee Allerslev ist eine politische Senkrechtstarterin: Die 26-Jährige wird ab 1. Jänner das Amt der Stadträtin für Beschäftigung und Integration in Kopenhagen übernehmen.


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Anna Mee Allerslev ist Politikerin und weiß, was Frau tun muss, um die Augen der Öffentlichkeit auf sich zu richten. Nicht, dass sich die 26-Jährige vor laufender Kamera ausgezogen hätte, um so ihre politischen Anliegen vorzubringen. Aber eine Freundin hat das für sie getan, als Anna Mee bei den Gemeinderatswahlen in Kopenhagen vor rund einem Jahr kandidierte. Die Aktion wurde zum Renner im Internet und brachte schließlich den gewünschten Erfolg: Die Kandidatin der sozialliberalen Partei "Radikale Linke" wurde am 17. November 2009 mit 837 Vorzugsstimmen in den Gemeinderat gewählt. Nicht schlecht für jemanden, der noch im Studentenheim wohnt.

Nach ihrem Bachelor in Politikwissenschaften und in Jus an der Universität Kopenhagen ist Anna Mee derzeit dabei, ihr Diplomstudium in Rechtswissenschaften abzuschließen. Gleichzeitig versucht sie nun ihre politischen Visionen zu verwirklichen. Gesünder, schöner und lustiger soll Kopenhagen ihren Plänen zufolge werden. Sie will dafür sorgen, dass künftig jeder Kopenhagener nur mehr maximal 15 Minuten braucht, um zu einem Park und Grünflächen zu gelangen. In diesen Parks soll es dann Motion-Spielplätze geben, also Anlagen zur körperlichen Ertüchtigung. So soll der Tatsache entgegengewirkt werden, dass die Menschen in Kopenhagen fast zur Hälfte übergewichtig sind und im Schnitt zwei Jahre früher als andere Dänen sterben.

Ihre politischen Ambitionen und ihr Studium unter einen Hut zu bringen, wird für Anna Mee künftig noch härter werden. Denn letzte Woche ist sie die Karrierleiter gleich mehrere Sprossen weiter hinaufgeklettert. Die Radikale Partei machte sie einstimmig zur neuen Stadträtin für Beschäftigung und Integration, ein Posten, den sie per 1. Jänner 2011 übernehmen wird.

Anna Mee hat selbst einen ausländischen Hintergrund. Sie wurde in Südkorea in einer kleinen Stadt außerhalb von Seoul geboren und im Alter von drei Monaten von ihren dänischen Eltern adoptiert.

Sie findet bereits ihren Amtstitel nicht gut. Denn was sie fordert, ist Vielfalt statt Integration. Dazu gehören für sie unter anderem muttersprachlicher Unterricht, Raum für Moscheen und durchmischte Wohnräume. "Ich wünsche mir eine Stadt, die man eher mit Sex and the City assoziiert als mit Ghettos", erklärte sie.

Die größere politische Herausforderung wird aber wohl der zweite Teil ihres Amtes sein. Immerhin ist gerade in Zeiten grassierender Wirtschaftskrise das Thema Beschäftigung besonders aktuell und eröffnet die Chance zur Profilierung. Die Sterne stehen gut für Anna Mee, denn laut Prognosen wird die Arbeitslosigkeit in Dänemark in den kommenden zwei Jahren stark sinken. Vielleicht ist das das Sprungbrett in noch höhere politische Sphären.