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Alles halb so schlimm: Die Skeptiker

Von Ronald Schönhuber und Walter Hämmerle

Wissen

"CO2 ist nicht für die Erderwärmung verantwortlich." | Kritik an Kosten des Klimaschutzes. | Wien/Washington. Fred Singer ist ein umtriebiger Mann. Allein in den vergangenen eineinhalb Jahren hat der emeritierte Professor für Umweltwissenschaften der Universität von Virginia dreimal Station in Wien gemacht. Wobei der 83-jährige Austro-Amerikaner allerdings die Not zur Tugend gemacht haben dürfen: Denn die Botschaft, die Singer verkündet, wollen derzeit nicht allzu viele hören. "Die Natur, und nicht der Mensch, ist für die Klimawandel verantwortlich", sagt Singer. Durchschnittlich alle 1500 Jahre gäbe es eine Phase mit erhöhten Temperaturen.


Dass auch der Mensch zur Erwärmung beiträgt, liegt für Singer zwar durchaus im Bereich des Möglichen. "Der Einfluss ist jedoch so minimal, dass er absolut vernachlässigbar ist", sagt der ehemalige leitende Wissenschafter des US-Verkehrsministeriums, der sich auf eine Neuauswertung der IPCC-Daten, aber auch auf neue, noch nicht verarbeitete Studien stützt. Als Beweis dient Singer unter anderem ein Vergleich zwischen den vom Weltklima-Rat (IPPC) verwendeten Modellen und tatsächlichen Beobachtungen. Letztere zeigten etwa deutlich andere Erwärmungsmuster als von den Computern prognostiziert.

Einsame Zweifler

Singer ist allerdings nicht der einzige Häretiker in der Klimawandel-Debatte. Auch der deutsche Physik-Professor Horst-Joachim Lüdecke will im anthropogenen Treibhausgas-Ausstoß nicht die Wurzel allen Übels sehen. "Das CO2-Modell stimmt mit den realen Daten einfach nicht überein", sagt Lüdecke. Würde die CO2-Theorie stimmen, hätte es etwa die Mini-Eiszeit zwischen 1940 und 1975 gar nicht geben dürfen. Ebenso wie auch Singer vertritt Lüdecke daher die These, dass die Erwärmung der Erde vor allem von der verstärkten Aktivität der Sonne getrieben wird.

Für Richard Lindzen, Professor für Meteorologie am renommierten MIT bei Boston, sind die Voraussagen über einen beschleunigten Klimawandel sogar "bizarr". Die Daten, auf denen die Hiobsbotschaften basieren, seien schwach und unzuverlässig, ihre Interpretation völlig übertrieben. "Es gibt daher keinen Grund zur Aufregung", schrieb der 69-Jährige vor kurzem im "Wall Street Journal". Er habe den Eindruck, als würden wir Menschen nur auf eine Art "Untergang als Folge unseres sündigen Lebensstils" warten.

Riesige Summen

Gemein ist den meisten Skeptikern des Klimawandels die Sorge um die gigantischen Finanzsummen, die ein rascher Umstieg auf eine weitgehend CO2-freie Wirtschaftsform erfordern würde. "Dieses Geld müssten wir den Steuerzahlern wegnehmen, sie sind es aber, die das Geld sinnvoll in die Wirtschaft investieren", erklärt Patrick J. Michaels vom staatskritischen libertären US-Think-Tank Cato in Washington.

Michaels zweifelt zwar die Klimaerwärmung nicht prinzipiell an, erachtet diesen jedoch für überschätzt. Die im Zusammenhang mit Kopenhagen aufgestaute politische und öffentliche Erwartungshaltung, jetzt rasch handeln zu müssen, hält Michaels für falsch: "Wir haben mehr Zeit, diese sollten wir für eine Deal nutzen, der auch funktioniert." Der Gipfel in Kopenhagen ist in seiner Einschätzung nichts anderes als "ein großes Medientheater", bei dem nichts herauskommen wird.