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Alles ist ein Experiment

Von Christina Böck

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Plötzlich war die Onlinewelt ein bisschen bunter. Nachdem am vergangenen Freitag der Oberste Gerichtshof die Ehe für Homosexuelle in den ganzen USA für legal erklärt hatte, wurde das soziale Netzwerk Facebook ein Schauplatz der Solidarität. Viele Nutzer legten einen Regenbogenfilter über ihre Profilbilder. Da musste man gar nicht selbst mit Photoshop basteln, die Technik stellte Facebook zur Verfügung. Nette Geste. Aber das US-Magazin "The Atlantic" stellte eine naheliegende Frage: "Ist der Regenbogenfilter ein Experiment von Facebook?"

Das ist eine Frage aus der Kategorie: "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind." Denn Facebook sammelt bekanntlich Daten aller Art. Facebook hat Experimente über die Gefühlszustände seiner Nutzer gemacht. Und tatsächlich hat Facebook auch schon eine Studie gemacht über die Situation, als 2013 zum ersten Mal Solidaritätsprofile zum Thema Homoehe auftauchten. Damals waren es weiße Ist-gleich-Zeichen auf rotem Grund. Die Studie untersuchte, unter welchen Bedingungen Menschen auf solche Kampagnen aufspringen und ob sie etwas bewirken (könnten). Damals freilich kam das "Logo" nicht von Facebook.

Interessant wäre ja, wenn Facebook untersuchen würde, wie viele mehr diesmal, vergleichsweise risikolos, ihre Unterstützung für eine ohnehin schon gefällte Entscheidung kundtun. Wahrscheinlich geht es aber nur um schnöde Marketingstrategien. Und falls sich jemand Sorgen macht, dass seine politische und/oder sexuelle Haltung abgespeichert wurde: Keine Sorge, die kennt Facebook längst.