Zum Hauptinhalt springen

"Alles ist fertig" gibt es nicht

Von Ina Weber

Politik
Der Entwurf des österreichischen Gewinner-Teams: Wie die weißen Baukörper genutzt werden, ist noch offen. Fix ist aber, dass Anfang 2017 Baustart ist.
© Stadt Wien

Die neue Copa Cagrana soll in den nächsten Jahren gebaut werden - das Architekten-Büro Laac darf sie gestalten.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 8 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Die letzten Hütten werden gerade abgerissen. Damit ist die Copa Cagrana, so wie man sie bisher kannte, Geschichte. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit dem Pächter Norbert Weber präsentierte Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am gestrigen Donnerstag, neue Details. Aus 46 Einreichungen internationaler Architekten für die Neugestaltung der Copa wurde das Tiroler Büro Laac auserwählt. Die Architekten gestalteten das 300 Meter lange öffentliche Ufer mit schlängelnden Wegen und Grünflächen auf unterschiedlichen Ebenen. Welche Lokale errichtet werden, ist noch offen. In den nächsten Jahren soll ein Baukörper nach dem anderen entstehen, Baubeginn soll Anfang 2017 sein. Sima will sich nun um die Finanzierung kümmern. Der Vorsitzende der Jury, Architekt Albert Wimmer, erzählt über die Nutzung der "CopaNeu".

"Wiener Zeitung":Was konkret wird von dem Siegerprojekt umgesetzt werden?AlbertWimmer: Der komplette Masterplan, so wie er vorliegt, mit allen Vorschlägen bishin zu Detaillierungen was die Oberflächen, die Gestaltungen und die Raumerlebnisse angeht.

Heißt das, dass die unterschiedlichen Ebenen und die Grünflächen auf jeden Fall umgesetzt werden und die einzelnen weißen Baukörper werden dann nochmals ausgeschrieben?

Das Wesen eines Masterplans ist es, wie sie richtig beschrieben haben, die Grundzüge festzulegen, das heißt, die verbindenden Flächen. Das, was natürlich primär interessiert ist, wieviel ist Grünfläche und wieviel ist befestigte Fläche. Das bestimmt die zukünftigen Nutzungen. Man wird auch noch darüber nachdenken müssen, welche Nutzungen sinnvoll sind und welche Baukörper sinnvoll sind. Dann wird die Stadt sukzessive die einzelnen Bauplätze in einer gewissen Abfolge entwickeln.

Werden die einzelnen Baukörper nochmals ausgeschrieben?

Nein, es war ein offener Realisierungswettbewerb, bei dem wir auch gleich an die Umsetzung gedacht haben.

Bis wann wird das Projekt fertig sein?

Wir brauchen mehrere Schritte. Das eine ist die Planung und das zweite ist die rechtliche Absicherung und Umsetzung. Das Dritte, das dazugehört, ist die infrastrukturelle Vorbereitung. Sie brauchen unter anderem Licht- und Wasserleitungen und vieles mehr, um dann die einzelnen Bauplätze auch funktionstauglich übergeben zu können. Ein Bauplatz muss aufgeschlossen sein, wie wir sagen.

In welchem Jahr hoffen Sie auf die Copa Cagrana gehen zu können und alles ist fertig?

’Alles ist fertig’ gibt es in einer Stadt nie. Eine Stadt ist ein lebendiger Organismus. Aber es ist jetzt zumindest eine Zielrichtung festgelegt worden, die hundertprozentig passt. Jedes Jahr wird hier ein neues Erlebnis stattfinden. Das ist das Spannende daran. Aus diesen Erlebnissen lernt man, wie man die Copa weiterentwickelt und es noch perfekter macht. Sie können davon ausgehen, dass jedes Jahr etwas Hochattraktives auf der Copa passieren wird.

Was erwartet die Wiener diesen Sommer auf der Copa Cagrana?

Dass der Beach in einem ordentlichen Zustand ist und super benutzt werden kann. Und, dass die ersten Verflechtungen zwischen Hinterland, Ufer und dem Zugang zur U-Bahn der Copa ein anderes Gesicht geben.

Sie haben vor kurzem von einem Wahrzeichen für die Copa gesprochen. Was meinen Sie damit?

Am Entree, wenn man von der Reichsbrücke kommen wird, wird ein Baukörper stehen, der etwas in die Vertikale gehen wird. Es soll ein Signé in Richtung Ganzjahresnutzung sein. Die Copa soll auch am Abend und im Herbst für die Bürger attraktiv sein.

Wie hoch soll dieses sogenannte Wahrzeichen werden?

Das wurde noch nicht festgelegt. Das betrifft jetzt die Studien, die gemacht werden müssen. Diese Baukörper sind in die Landschaft integriert, das ist das Schöne daran. Wie das im Detail dann aussieht, das ist dann Sache der Architekten. Aber die Idee war, dass es hier nicht einfach hingestellte Häuser gibt, sondern ein Zusammenspiel zwischen Umfeld und Bebauung.

Gibt es bereits einen Kostenvoranschlag?

Der Masterplan enthält keine Kostenvorschläge, sondern einzelne Elemente. Die Anzahl dieser Elemente bestimmt dann die Gesamtkosten.

Der Neugestaltung des Areals ging ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem bisherigen Generalpächter Norbert Weber voran. Die Stadt Wien brachte im Oktober2010 eine Räumungsklage gegen Weber ein, dem vorgeworfen wurde, das Freizeitgebiet verkommen zu lassen. In den Jahren darauf folgten ein Hochwasser, ein Brand und Zwangsräumungen. Ende 2014 veranlasste die Stadt aufgrund einer "drohenden Gefahr für das Leben und die Gesundheit von Menschen und für die Umwelt" die sofortige Entfernung eines schwimmenden Lokals. Die Anlage sei wasserrechtlich nicht genehmigt gewesen. Im Februar 2015 bekam die Stadt in 1. Instanz Recht. Im Juni 2015 bestätigte der Verwaltungsgerichtshof, dass Lokale an der Copa Cagrana ohne wasserrechtliche Bewilligung nicht betrieben werden dürfen. Die Stadt ließ in Folge sieben Lokale auf Kosten des Generalpächters entfernen. Im Juli 2015 wurden zwei neuen Lokale - ein griechisch und ein mexikanisches - eröffnet, mit denen die Stadt einen Direktpachtvertrag hat. Auch der temporäre "Copa Beach" wurde errichtet. Nach Webers Berufung gewann die Stadt im Herbst 2015 auch in zweiter Instanz. Im Februar 2016 kam es zur endgültigen, zwangsweisen Räumung und zum Abriss der Lokale auf Kosten Webers. Dieser kritisierte, der Masterplan umfasse Flächen, die nach wie vor in seinem Besitz seien. Die Verfahren seien letztinstanzlich noch nicht ausgefochten. Er sei aber gesprächsbereit.

vorgeschichte