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Alles Papaya -oder Holler?

Von Christa Karas

Wissen

Lifestyle-Mittel erobern den Markt - und immer häufiger übernehmen namhafte Persönlichkeiten dafür die Promotion. "Wir haben auf der Welt zwei Haupt-Gesundheitsprobleme: neue Epidemien und chronische Krankheiten. Aids ist ein Mittelding zwischen beiden." - Dies erklärte jüngst HIV-Mitentdecker Univ.-Prof. Dr. Luc Montagnier in Wien. Um Aids ging es dann aber gar nicht, sondern um ein neues Nahrungsergänzungsmittel aus fermentierten Papayas. Dessen Antioxidantien könnten nämlich zur Gesunderhaltung beitragen.


"Bei vielen Krankheiten kommt es zu einer Imbalance des körpereigenen Systems, das giftige Sauerstoff-Radikale abbaut. Gleichzeitig fallen mehr der giftigen Stoffe an", sagte Montagnier. Laut der Gesellschaft für komplementäre Immunologie mit den Gynäkologen Univ.-Prof. Dr. Markus Metka und Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber (Universitäts-Frauenklinik in Wien) als Proponenten können bestimmte pflanzliche Produkte als Nahrungsergänzung eine Hilfe darstellen. FPP (Fermented Papaya Preparation) ist auch in Österreich bereits erhältlich.

Montagnier sprach dazu aus Erfahrung: Das Immunsystem erhole sich bei Verwendung des Papaya-Präparats besser. Und auch die Patienten fühlten sich besser damit. Der Größenwert seiner Erfahrung umfasst übrigens genau neun (!) Aids-Patienten unter Triple-Medikation. Eine größere Testgruppe soll erst folgen. Aber einen so schönen wie ehrlichen Satz hinterließ er immerhin: "Es geht nicht darum, das Leben zu verlängern, sondern länger gesund zu bleiben."

Ein Satz, den der Hersteller eines weiteren pflanzlichen Produkts - diesmal gegen Grippe und grippale Infekte - gewiss doppelt unterstreichen würde. Das Mittel ist wohlschmeckend, frei von Nebenwirkungen und enthält "AntiVirin" - nämlich einen Pflanzenfarbstoff der schwarzen Holunderbeere. Der mit "Holler Power in der Erkältungszeit" beworbene Saft, der in Apotheken erhältlich ist, besteht übrigens aus "Wasser, Holunderbeerenextrakt, Sorbit, Himbeerextrakt und Zitronensäure . . ." (Beim guten Wirten gibt's das auch, aber deutlich preisgünstiger.)

Aber die vergangene Woche konfrontierte uns ja auch noch mit echten Medikamenten sowie den passenden Schreckensmeldungen: "Jeder zweite Österreicher leidet unter Potenzstörungen", ließ der Pharmakonzern Eli Lilly (Hersteller des schnell und lang dagegen wirkenden "Cialis") Gallup per Umfrage erheben. - Leidet er wirklich, wäre man da gern geneigt zu fragen. Oder ist er, im Hinblick auf sein fortgeschrittenes Alter, eigentlich ganz froh, seine Ruhe zu haben?

Daraus wird wohl nix. Eli Lilly will mit seinem "Lilly ICOS Life Work Balance Programm" - an dem prominente Mediziner wie Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber (schon wieder, siehe Papaya), Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn (Facharzt für Interne Medizin und Präsident der International Society for Men's Health) und Dr. Gerti Senger mitwirkten - "die Risikofaktoren minimieren" (gemeint sind Krankheit, Stress, Übergewicht, Bewegungsmangel etc.), die zu Potenzstörungen führen. Die Initiative soll nun demnächst bei Veranstaltungen und mit eigenen Foldern vorgestellt werden.

Basenpulver und mehr

Auf ein neues "Anti-Aging Kraftpaket" setzt auch die Firma Merck, nämlich auf ein von den spezialisierten Wiener Ärzten Dr. Peter Traxler und Univ.-Ass. Dr. Hannes Traxler entwickeltes Basenpulver, dasnicht nur vor Übersäuerung schützt, sondern auch Wirkstoffe (Chondroitin- und Glucosaminsulfat) enthält, die wichtig für den Aufbau und die Erneuerung der (oft betroffenen) Gelenksknorpel sind.

Zusätzlich enthalten sind die Vitamine E und C sowie Magnesium und Selen gegen freie Radikale als Zellschutz, B-Vitamine zur Nervenernährung und Kalzium als Osteoporose-Prophylaxe sowie Eisen gegen Blutarmut. Tatsächlich scheint das neue Medikament ("Movil"), richtig eingenommen (nämlich vor den Mahlzeiten), mit diesen Inhaltsstoffen eine Reihe von Mängeln abzudecken bzw. potenzielle Auswirkungen des allgemeinen Lebensstils (Ernährung mit vielen Säurebildnern) zu relativieren.