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Alles Schnee von gestern

Von Tamara Slavik

Analysen

Ski-Saison mit Wermutstropfen. | Nur die ÖSVErfolge stimmten. | Die Kristallkugeln für die Weltcup-Sieger sind vergeben, die Skisaison ist Schnee von gestern. Zum Glück. Denn haben die heimischen Fans zu Winterbeginn noch nach österreichischen Erfolgen gehungert, macht sich nach mehr als fünf Monaten Weltcup-Zirkus Sättigung breit. Und wenn die rot-weiß-roten Pistenflitzer an einem Wochenende weder in Abfahrt noch in Super G - in Aare ist die imposante Serie von 68 Herren-Rennen in dieser Disziplin (seit 1996) mit mindestens einem österreichischen Vertreter auf dem Stockerl gerissen -, nicht mehr auf das Podest steigen dürfen, ist es ohnehin Zeit, abzuschnallen.


In den letzten Wochen diente der Weltcup in erster Linie als Pausenfüller, wenn wieder einmal ein Fußball-Spiel abgesagt werden musste. Es zeugt nicht gerade von Weitsicht, wenn man glaubt, dass man gerade zu dieser Zeit Interesse an einem neuen Bewerb wecken kann. Der abschließende Mixed-Länderkampf bestehend aus Super G und Slalom war bei der WM 2005 noch witzig - am Ende eines langen Winters lockt er aber wohl niemandem hinter dem Ofen hervor. "Unter dem Jahr ist das Interesse sicher größer. Jetzt will jeder nur nach Hause", brachte Nici Hosp das Problem auf den Punkt.

Auch sonst lief die Planung der FIS nicht immer nach nachvollziehbaren Gesichtspunkten ab: Die Herren mussten - wohl, weil die Strapazen des Lebens aus dem Koffer im letzten halben Jahr noch nicht groß genug waren - eine Woche vor dem Weltcup-Finale einen Abstecher nach Südkorea und Japan auf sich nehmen, die hartnäckigsten Fans Nächte durchmachen, um mit Raich und Co. zu zittern. Ein Aufwand, der zwar wirtschaftlich gerechtfertigt sein mag - Asien gilt als Ski-Markt der Zukunft -, aus sportlichen Gesichtspunkten aber zumindest einer besseren Planung bedurft hätte.

Apropos Wirtschaft: Die Mini-WM in Beaver Creek, bei der kaum ein Rennen wegen der Witterungsverhältnisse auch nur annähernd der Kategorie "regulär" zugeordnet werden konnte, war ein besonders auffälliges Beispiel dafür, wie die Sportler als lukrative Einnahmequelle aus Fernseh- und Sponsorengeldern ins noch so heftige Schneegestöber gejagt werden. Ein weiterer Punkt, über den sich die FIS-Granden Gedanken machen sollten, ist das Sicherheitsrisiko, das die extreme Skitaillierung für die Fahrer mit sich bringt.

Verletzungen - auch österreichischer Leistungsträger - sind allerdings schnell vergessen, wenn die verbleibenden Sportler die Konkurrenz regelrecht einstauben. Und die rot-weiß-roten Skifahrer haben genug Medaillen und Kristallkugeln geholt, dass man sich zufrieden zurücklehnen kann. Vorerst. Denn der nächste Winter kommt bestimmt. Und dann haben sie wieder die Vormachtstellung im Ski-Sport zu verteidigen, um den Erfolgshunger der nationalen Seele stillen zu können. Die Show muss weitergehen.

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