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Alles, was Flügel hat, fliegt - der Eurofighter steht

Von Clemens Neuhold

Politik

Rechnungshof: Nur ein Drittel der Jets und kein einziger Pilot voll einsatzfähig.


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Wien. Wer sich in den vergangenen Jahren durch die schiere Existenz von 15 Eurofightern, die den österreichischen Luftraum bei Tag und Nacht überwachen, sicher fühlte, der wird nun vom Rechnungshof bitter enttäuscht. Das Prüforgan der Republik nahm die wohl umstrittenste Großanschaffung der vergangenen Jahrzehnte zum siebten Mal unter die Lupe und sah sich diesmal die Einsatzbereitschaft von Piloten und Flugzeugen an. Das entwaffnende Ergebnis: Kein einziger Pilot und bloß eine Handvoll Flugzeuge waren voll einsatzbereit.

Keiner der 16 Eurofighter-Piloten erreichte die vom Verteidigungsministerium für die volle Einsatzbefähigung vorgesehene jährliche Flugstundenleistung. Statt 110 Flugstunden jährlich absolvierten sie im Durchschnitt 74 Stunden 2010 und 70 Stunden 2011. Mehr als 80 Prozent der Piloten hätten nur eine "stark eingeschränkte Einsatzbefähigung".

Das liegt wohl auch daran, dass die Flugzeuge selbst alles andere als allzeit bereit sind. Im Jahr waren von 15 Flugzeugen durchschnittlich fünf Stück flugtauglich, dem Rest fehlten entweder die Ersatzteile oder sie wurden gerade gewartet. Im Vergleich zu 2010 sind die Stehzeiten 2011 sogar noch gestiegen.

Kostenexplosion

Flügge werden bei den Eurofightern offenbar in erster Linie die Kosten. Die erhöhen sich laut Rechnungshof bis 2015 auf 2,5 Milliarden Euro.

In Summe haben die Eurofighter dem Bericht zufolge von 2005 bis 2011 rund 1,5 Milliarden Euro gekostet. Diese Summe wurde in der Regel kommuniziert. Unerwähnt blieben aber weitere Kosten. Für die Jahre 2012 bis 2015 kommt noch einmal eine Milliarde Euro an Ratenzahlungen und Betriebskosten dazu, womit die Kosten für die Jets bei insgesamt 2,5 Milliarden landen.

Das Verteidigungsministerium weist die Kritik des Rechnungshofs zurück. Derzeit laufe die "Einführungsphase" des Abfangjägers, diese werde erst im Jahr 2015 abgeschlossen sein. Bis dahin würden "völlig andere Parameter, Vorgaben, Flugstunden und Ziele für die Pilotenausbildung" gelten als danach,

"So wie ein Studienanfänger zu Beginn seines Studiums nicht über jenes Wissen verfügt, das ein promovierter Akademiker hat, so dient auch beim Eurofighter der Zeitraum bis 2015 zur Einführung des Systems", heißt es in der Stellungnahme. Diese Phase beinhalte das Sammeln von Erfahrungen "bei der Ersatzteilbewirtschaftung, bei der Ausbildung und dem Herstellen der Einsatzbereitschaft der Piloten". Es sei daher "systembedingt", dass die vorgegebenen Flugstunden der einzelnen Piloten sowie die volle Einsatzfähigkeit ("Klarstand") erst im Jahr 2015 erreicht werden werden. Die Luftraumüberwachung sei stets sichergestellt gewesen und werde dies auch in Zukunft sein.

Kreuzfeuer

Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, wirft dem scheidenden Verteidigungsminister Norbert Darabos vor, gegenüber dem Eurofighter-Hersteller EADS auf Ansprüche verzichtet zu haben und bringt eine Sachverhaltsdarstellung ein. Und auch Darabos-Nachfolger Gernot Klug, der seit gestern im Amt ist, will er diesbezüglich ins parlamentarische Kreuzfeuer nehmen.