Zum Hauptinhalt springen

Allzu Menschliches

Von Christina Köppl

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Mit der Stille um das "Stille Örtchen" scheint es vorbei zu sein. "Nichts Menschliches sei uns fremd", so der Titel der Dokumentations-Trilogie, dessen erster Teil am Montagabend in 3sat zu sehen war und ein Tabuthema "transparent" macht: die menschliche Ausscheidung.

Amüsante und teils überraschende kulturhistorische Details erzählen die Geschichte rund um die Evolution der Toilette und der damit verbundenen Fäkalienwirtschaft.

Seit der griechischen Antike durchlief die Toilette eine grandiose Entwicklung, der menschliche Verdauungsapparat blieb jedoch unverändert. War zu Mozarts Zeit der Wunsch für eine gut funktionierende Verdauung gern gehört, übertönen heutzutage in Toiletten integrierte Geräuschkulissen den lebensnotwendigen Akt. Ästhetische, vor allem aber gesellschaftliche Kriterien haben die menschliche Ausscheidung von der Straße in den kleinsten Raum des Hauses verbannt, um den häufiger Streitigkeiten entstehen können als um ein besetztes Badezimmer.

Aller Tabuisierung zum Trotz: Das WC ist - ob öffentlich oder privat - ein notwendiges und unabdingbares Refugium geworden. Es ist Wallfahrtsort der Busreisenden einerseits, für den man mancherorts auch zahlen muss, ein Ort des Rückzugs und der Entspannung andererseits - vielleicht der liebste Ort auf Erden, an dem man sich ganz ungestört und ungeniert nur sich selbst und einer guten Zeitung widmen kann.