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Alpbach ohne Strategie

Von Eva Stanzl

Wissen

Ministerin erwägt eigene Diskussionsreihe zur Forschung. | Nationale Strategie könnte aber gänzlich ausfallen. | Alpbach. Die Herangehensweisen könnten unterschiedlicher nicht sein. Ursprünglich hatten Infrastrukturministerium und Wissenschaftsministerium zur Eröffnung der Technologiegespräche in Alpbach am Donnerstag gemeinsam eine fertige nationale Forschungsstrategie sowie den neuen Forschungsrat präsentieren wollen. Da die Strategie aus Budgetgründen aber auf Unbestimmt verschoben wurde, fanden zwei Veranstaltungen statt, in denen die Ministerinnen statt eines gemeinsamen Wegs völlig unterschiedliche Auffassungen an die Öffentlichkeit trugen. | Kommentar: Strategie für die Schublade


"Die Strategie ist seit zwei Monaten fertig. Ich gehe davon aus, dass der Beschluss nicht mehr lange dauern wird", betonte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Sie habe einen Brief an Bundeskanzler Werner Faymann geschrieben mit der Bitte, die FTI-Strategie so bald wie möglich im Ministerrat zu beschließen. Eine Antwort habe sie zwar bekommen - jedoch nicht von Faymann, sondern von Infrastrukturministerin Doris Bures. Karl strich hervor, sie wünsche sich "ein klares Bekenntnis zu Forschung und Technologieentwicklung" durch den Kanzler - ähnlich jenem der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die Bildung und Forschung zum zentralen Thema des Landes erklärte.

Sollte die Strategie auf sich warten lassen, wolle sie ihr eigenes Programm fortsetzen, sagte Karl. Dazu gehöre die sogenannte "Mint"-Strategie, in deren Rahmen österreichische Studenten verstärkt Studienfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wählen sollen. Derzeit belegen 60 Prozent aller Erstsemestrigen zehn Prozent aller Fächer.

Auf weitere Pläne aus der Strategie wollte sich die Wissenschaftsministerin nicht festlegen. Wohl aber ließ sie aufhorchen mit einer Idee zu einer Art Gegenveranstaltung zu den Technologiegesprächen, die fast wie ein Spiel im Spiel anmutete: "Mein Ziel ist, Österreich zum Top-Innovationsstandort werden zu lassen. Die Wurzel der Technologie ist die Forschung. Ich möchte daher schon kommendes Jahr das Alpbacher Programm durch Forschungsgespräche anreichern", kündigte sie an.

Infrastrukturministerin Doris Bures will hingegen in der Forschungsstrategie die bisherige Schwerpunkte ausgebauen und diese in den Mittelpunkt stellen: Energie, Mobilität/Verkehr, Gender-Programm und Informations- und Kommunikationstechnologien.

Sie betonte jedoch, dass "sparsamen, effizienten Abläufen" von der Grundlage bis zur Anwendung besonderes Augenmerk zu schenken sei. Mit "weniger Geld" müsse "mehr Output" erreicht werden.

Androsch fix

Der Industrielle Hannes Androsch hätte kein Problem mit der Verzögerung der Forschungsstrategie. "Wenn im Dezember etwas fundamental Besseres herauskommt, soll es uns auch recht sein." Praktisch zu Grabe trug der Präsident des Wissenschaftsfonds, Christoph Kratky, die Strategie. Das Papier enthülle keine Neuheiten und keine wahren Innovationen: "Hätte man es so präsentiert, hätte man sich blamieren können. Das Papier wird wohl schubladisiert werden", sagte er zur "Wiener Zeitung".

Mit oder ohne Strategie präsentierte Bures ihre vier Kandidaten für den acht-köpfigen neuen Forschungsrat. Es sei gelungen, Hannes Androsch zu gewinnen. Neben dem AIT-Aufsichtsratschef nannte Bures die koreanische Biotechnologin Gi Eun Kim, die Unternehmensberaterin Karin Schaupp und Gabriele Ambros, Präsidentin der Forschung Austria und Geschäftsführerin des Bohmann Verlags.

"Es hat keinen Sinn, Köpfe bekanntzugeben, ohne dass eine Strategie steht", betonte hingegen Ministerin Karl. Sie wolle ihre Kandidaten erst nennen, wenn die Ausrichtung klar sei. Kolportiert werden Veit Sorger (IV), Quantenphysiker Anton Zeilinger und Georg Winckler (Uni Wien).