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Alpine holt ÖBB-Mann an die Führungsspitze

Von Karl Leban

Wirtschaft

Arnold Schiefer wechselt Anfang April in die Chefetage des Baukonzerns.


Salzburg/Wien. Ein Bahnmanager nimmt beim schwer angeschlagenen Baukonzern Alpine im Chefsessel Platz. Ab Anfang April steht Arnold Schiefer, derzeit Vorstandsdirektor der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria, an der operativen Führungsspitze des Salzburger Unternehmens. Der 46-jährige Betriebswirt war einst für die Restrukturierung und den Turnaround der Rail Cargo Hungaria zuständig. Schiefer, ein Mann, dem Saniererqualitäten nachgesagt werden, soll die vor wenigen Tagen nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammte Alpine nun wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.

Der oberösterreichische Manager, der in früheren Jahren auch für das Infrastrukturministerium und als Asfinag-Aufsichtsrat tätig war, kommt zusätzlich zu dem im November 2012 installierten deutschen Sanierer Josef Schultheis. Vor Schultheis hatte kurzzeitig Johannes Dotter die Geschicke des zweitgrößten heimischen Baukonzerns gelenkt, aber wegen grober Zerwürfnisse mit der spanischen Alpine-Mutter FCC hatte er im Oktober das Handtuch geworfen.

Schiefers Aufgabe bei der Alpine wird alles andere als ein Spaziergang sein. Der Konzern erlitt im abgelaufenen Geschäftsjahr einen massiven Betriebsverlust von rund 300 Millionen Euro und sitzt auf einem riesigen Schuldenberg. Hätten sich die Gläubigerbanken, die über Garantien involvierte Republik und der Eigentümer FCC vergangenen Sonntag nicht geeinigt, wäre die Insolvenz schon zu Wochenbeginn unvermeidbar gewesen. Dass die Banken nun auf 30 Prozent ihrer Forderungen in Höhe von rund 520 Millionen Euro verzichten und von der Mutter eine Kapitalspritze von 150 Millionen Euro kommt (die Hälfte ist bereits geflossen), hat die Alpine zumindest vorerst gerettet.

Aus für Projekte im Osten

Über dem Berg ist das Unternehmen freilich noch lange nicht. Zumal der Schuldenschnitt nur ein Teil des Sanierungsprogramms ist. Dieses sieht für 2015 wieder Gewinne vor. Der neue Alpine-Chef muss den heimischen Bauriesen radikal stutzen, wobei die Bauleistung von 3,5 auf 2 Milliarden Euro heruntergefahren und der Personalstand von bisher 15.300 Mitarbeitern um rund ein Drittel abgespeckt werden soll.

Vor allem muss Schiefer den Großrückzug aus Osteuropa umsetzen. Dort hat sich die Alpine überhoben - mit Preisdumping, um Rivalen wie Strabag oder Porr auszustechen. Deshalb sollen unrentable Projekte eingestellt werden. Im Gegenzug will der Konzern den Fokus bei der strategischen Neuausrichtung auf das bis dato als gesund geltende Kerngeschäft in Österreich und Deutschland richten.

Was Schiefer ebenfalls durchziehen muss, ist der Verkauf von Familiensilber, was - ein möglicherweise zu hoch gestecktes Ziel - bis zu 200 Millionen Euro bringen soll. Bei der Wiener Tochter Hazet Bau sollen die Verhandlungen laut APA am weitesten fortgeschritten sein, zum Kreis der Interessenten gehört auch die Porr. Ebenso auf der Verkaufsliste sind die Alpine Energie und die Spezialtiefbautochter GPS.