Zum Hauptinhalt springen

Alpinistin mit Sender am Hals

Von Mathias Ziegler

Wissen
Simpler Trick: In der Falle liegen Salzsteine. Foto: NP Hohe Tauern

Bisher gibt es nur Daten zu Steinböcken. | Jetzt kann auch das Raumverhalten der Geißen erforscht werden. | Heiligenblut. Eigentlich hatten die Steinwildhüter im Nationalpark hohe Tauern schon gar nicht mehr damit gerechnet. Jetzt ist es aber doch passiert: Nach sechs Jahren Steinwildtelemetrie ist ihnen nach 13 Böcken endlich auch eine Geiß in die Falle gegangen.


Eigentlich waren es zwei Steingeißen, die auf der Kaiser Franz Josefs Höhe an der Großglockner Hochalpenstraße oberhalb von Heiligenblut gefangen werden konnten. Die jüngere der beiden wurde allerdings nur mit einer Ohrmarke versehen, die ältere, ein fünfjähriges Tier, klettert jetzt aber mit einem grünen Halsband in den Hohen Tauern herum, an dem ein GPS-Sender befestigt ist.

Für die Wissenschafter ist das ein großer Erfolg. Denn nun kann das Raumverhalten von Steinböcken und -geißen endlich ordentlich verglichen werden. "Nach sechs Jahren Steinwildtelemetrie wissen wir schon einiges über die Böcke", sagt Peter Rupitsch, Direktoriumsvorsitzender des Nationalparkrates hohe Tauern. Nun wird sich weisen, ob die Geißen ein ähnliches oder ein völlig anderes Verhalten an den Tag legen.

Die Geißen sind vorsichtiger

Wobei es natürlich schön für Projektleiter Nikolaus Eisank und sein Team wäre, wenn sich noch weitere Geißen in der Falle am Fuße des Großglockners einfänden. Diese sind allerdings viel vorsichtiger und scheuer als die Böcke. "Deshalb sind wir auf die Falle angewiesen. Die Böcke können wir im freien Gelände narkotisieren - sie hätten mit ihren mächtigen Hörnern auch Platzprobleme in der Falle", erklärt Eisank. Aber auch mit den beiden jetzt gefangenen Geißen gab es erst ein Gerangel, bis die Tiere markiert beziehungsweise besendert werden konnten.

Gespannt sind die Wissenschafter, ob sich die bisherigen Erfahrungen durch die Telemetrie mittels Sender bestätigen werden: Demnach sind beim Steinwild die Geißen generell standorttreuer als die Böcke. Deren Wanderverhalten und Tagesablauf konnte anhand von insgesamt 13 Tieren im bisherigen Verlauf des Projektes schon sehr gut festgemacht werden: Futtersuche von Sonnenaufgang bis zum Vormittag, dann eine lange Mittagsruhe und anschließend Aktivität vom frühen Abend bis zum Sonnenuntergang.

In die Falle gegangen: Glücklich ist die Steingeiß nicht, aber der Sender wird wertvolle Daten liefern.

"Uns interessiert jetzt, ob sich das weibliche Steinwild im Raumverhalten vom männlichen unterscheidet", sagt Eisank. Die Daten der ersten besenderten Steingeiß werden im gleichen Rhythmus wie im Schweizer Nationalpark gesammelt. Das lässt dann auch Vergleiche in größerem regionalen Umfang zu.

In Österreich gibt es eigentlich nur eine einzige große Steinwildpopulation aus rund 1000 Tieren, die weit über die heimischen Alpen verstreut leben. Im 19. Jahrhundert wurde der Alpinsteinbock hierzulande ausgerottet und erst 1960 wieder im Glocknergebiet angesiedelt. Bisher waren Naturschützer und Jäger auf Vermutungen angewiesen, was die Wanderrouten des heimischen Steinwildes betrifft. Das Telemetrieprojekt in den Hohen Tauern, das bis 2011 läuft, soll jetzt Klarheit schaffen.