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Als das Wünschen noch geholfen hat

Von Petra Paterno

Kommentare

Da sage noch jemand, das
Wünschen sei vergeblich!

Vor wenigen Tagen wurde an dieser Stelle die geringe Durchlässigkeit zwischen Hoch- und Off-Kultur moniert. Es wurde beklagt, dass die Künstler aus der freien Szene für die Wiener Großbühnen nicht existent seien, dass antiquiertes Spartendenken dominiere. An vielen deutschen Bühnen scheinen sich derweil die Grenzen zu verschieben - mit bemerkenswerten Ergebnissen. Nun stellte die designierte Volkstheater-Direktorin Anna Badora ihren Spielplan vor. Und? Alles wie gehabt? Mitnichten. Badora setzt ausdrücklich auf Formate,
Künstler und Programme, die
das gängige Stadttheaterrepertoire sprengen.

Da ist zum Beispiel Yael Ronen. Die israelisch-österreichische Theatermacherin zeigt politische brisante Themen (in Wien wird es der Dschihad sein) und erarbeitet ihre Theaterabende nach langen Recherchen, die sich keineswegs nach den handelsüblichen Probenplänen richten. Den Welterfindern des spektakulären dänisch-österreichischen Theaterkollektivs Signa stellt die Volkstheater-Chefin die Probe- und Lagerräume in der Dependance in der Faßziehergasse zur Verfügung. Konventionelles Theater unter Garantie ausgeschlossen. Das Grazer Theater im Bahnhof wiederum, eine der renommiertesten freien Theaterformationen, wird in "Die Fleischhauer von Wien" einen bobo-resistenten Berufsstand ergründen; ein theaterpädagogisches Projekt wird zudem Fleischer-Lehrlinge auf die Bühne bringen. Bühne frei für ein Programm, das der Ideologiemauer zwischen Hoch- und Off-Kultur endlich einen Kratzer verpasst.