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Als ein Kilo noch ein Kilo war

Von Judith Belfkih

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Der Meter und die Sekunde haben es schon einige Zeit hinter sich, jetzt ist das Kilogramm dran - mit der reproduzierbaren physikalischen Neudefinition.

Im Gegensatz zum Längenmaß Meter - die Strecke, die Licht im Vakuum während 1/299792458 Sekunde zurücklegt - und der Zeiteinheit Sekunde - das 9192631770-fache einer komplexen Caesium-Isotop-Strahlung - beruht die Gewichtseinheit immer noch auf dem sogenannten Ur-Kilogramm. Diese seit 1889 bestehende Referenzgröße, ein 39 mal 39 Millimeter großer Platin-Zylinder, steht streng gesichert in Paris. Allerdings verliert das Pariser Kilo allmählich an Masse. Im Vergleich zu nationalen Kopien soll das Ur-Kilo in 100 Jahren um 50 Mikrogramm leichter geworden sein. Inakzeptabel für die Wissenschaft. Auf der Generalkonferenz für Maß und Gewicht im kommenden Jahr soll daher eine neue, international gültige und reproduzierbare Definition verabschiedet werden. Neben der sehr komplizierten Watt-Waage, die mit Vakuum und dem Ausschluss von Magnetfeldern arbeitet, soll berechnet werden, aus wie vielen Atomen eine spezielle Siliziumkugel besteht. Daraus wollen die Physiker dann die Masse eines einzelnen Atoms bestimmt. Ein Kilogramm definieren sie dann als das Gewicht einer bestimmten Anzahl von Siliziumatomen.

Die Neudefinition des Kilogramms ist für Forscher wichtig, für Konsumenten ändert sich nichts. Die müssen sich weiter daran gewöhnen, dass die Packungsinhalte von Jahr zu Jahr schrumpfen - bei gleicher optischer Aufmachung und natürlich bei gleich bleibenden Preisen.